Großbritannien

Mit Pomp und Circumstance – Abschied von „Eiserner Lady“

Mit viel Pomp hat Großbritannien der verstorbenen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher die letzte Ehre erwiesen. Doch bei der feierlichen Zeremonie gab es auch Proteste.

omp, Prunk und Protest: Großbritannien hat am Mittwoch offiziell Abschied von der verstorbenen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher genommen. Am Morgen wurde der Leichnam der “Eisernen Lady“ zunächst vom Londoner Parlamentsgebäude zu einer Gebetszeremonie in der Kirche St. Clement Danes gebracht. Zu Klängen von Trauermusik fuhr eine Pferdekutsche den beflaggten Sarg dann in die St. Paul's Kathedrale im Herzen der britischen Hauptstadt.

Flaggen an Regierungsbehörden im ganzen Land wehten auf halbmast, die Glocke „Big Ben“ im berühmten Uhrturm am Westminster Palace verstummte. Tausende Menschen verfolgten den Trauerzug durch die Innenstadt Londons. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nach dem Anschlag auf den Marathon von Boston mit drei Toten und mehr als 170 Verletzten noch einmal verschärft worden: Mehr als 4.000 Bereitschaftspolizisten waren im Einsatz, und mehr als 700 Soldaten, Seemänner und Angehörige der Luftwaffe säumten die Strecke.

Zur Zeremonie selbst versammelten sich in der Kathedrale zahlreiche ranghohe Politiker und Würdenträger. Unter den Trauergästen waren Königin Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip. Deutschland wurde vertreten durch Außenminister Guido Westerwelle.

Thatcher hatte Hymnen selbst ausgesucht

Während des Gottesdiensts erklangen christliche Hymnen, die sich Thatcher selbst ausgesucht hatte. Ihre Enkeltochter Amanda Thatcher und Premierminister David Cameron trug Passagen aus der Bibel vor.

Auch die Anteilnahme in der britischen Bevölkerung war groß. Hunderte Menschen fanden sich Stunden vor Beginn der Trauerfeier ein. Dutzende weitere hatten sogar unweit der Kathedrale ihr Nachtlager aufgeschlagen, um Thatcher die letzte Ehre zu erweisen. „Ich bin gekommen, um der größten Heldin unserer Neuzeit zu gedenken“, sagte der 25-jährige Anthony Boutall. „Sie hat einer am Boden liegenden Nation neues Leben eingehaucht“.

Vermächtnis der „Iron Lady“ umstritten

Das politische Vermächtnis der „Eisernen Lady“ ist ist allerdings umstritten. So machen viele die mit ihrer Amtszeit verbundenen Umwälzungen, etwa flächendeckende Privatisierungen und tiefgreifende Wirtschaftsreformen, für die sozialen Verwerfungen verantwortlich, die heute in Großbritannien zu spüren sind.

Dass Thatcher mit allen militärischen Ehren verabschiedet wird, sorgte daher bei vielen Briten für Irritationen. Während des Trauerzugs kehrten einige hundert Aktivisten dem Sarg der verstorbenen Ex-Regierungschefin als Zeichen stillen Protests den Rücken zu.

Premierminister Cameron verteidigte die Trauerfeier indes. Die Zeremonie sei “ein angemessener Tribut an eine große Premierministerin, die in aller Welt respektiert wurde“, erklärte er. Der Dekan der St. Paul's Kathedrale, David Ison, betonte den ernsten Charakter der Trauerfeier. Auf Thatchers Wunsch hin gebe es noch nicht einmal eine Grabrede, sagte er.

Beisetzung ist kein offizielles Staatsbegräbnis

Die Beisetzung von Thatcher ist kein Staatsbegräbnis im streng protokollarischen Sinn, weil dafür ein Parlamentsbeschluss vonnöten wäre. Die gleiche Begräbniszeremonie wurde auch Lady Diana und der Mutter von Elizabeth II. zuteil. Der letzte Brite, der ein förmliches Staatsbegräbnis erhalten hatte, war der frühere Premierminister Winston Churchill im Jahr 1965.

Margaret Thatcher war in der vergangenen Woche im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.