Vatikan

Kardinäle bereiten in Rom die Wahl des neuen Papstes vor

Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. haben die Kardinäle Redebedarf. Wann die Kür eines Nachfolgers beginnt, legen sie selbst fest.

m Vatikan haben die Vorbereitungen auf die Wahl eines neuen Papstes begonnen. Kardinäle aus aller Welt kamen am Montag in Rom zusammen, um sich hinter verschlossenen Türen auszutauschen und dann über den Beginn des mit Spannung erwarteten Konklaves zu entscheiden.

Einige kamen einzeln an, andere in kleinen Gruppen wie die beiden deutschen Kardinäle Reinhard Marx und Walter Kasper. Vor den versammelten Journalisten wollte sich kein Kardinal äußern.

Zwölf Kardinäle mit Stimmrecht fehlten am Nachmittag noch, darunter auch die Deutschen Joachim Meisner, Karl Lehmann und Rainer Maria Woelki, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte. Sie werden in Kürze in Rom erwartet. Das erste Treffen endete gegen 12.30 Uhr.

142 von insgesamt 207 Kardinälen waren anwesend, 103 von ihnen unter 80 Jahre alt und damit wahlberechtigt.

In der ersten Generalkongregation hätten sich in einer freien Aussprache 13 Kardinäle kurz zu Wort gemeldet, sagte Lombardi. Die Einlassungen hätten insgesamt eine Dreiviertelstunde gedauert und vor allem organisatorischen Fragen gegolten.

Die erste Generalkongregation sei in einer „entspannten, herzlichen und konstruktiven Weise“ verlaufen, so der Sprecher weiter. Unklar sei bislang noch der Rhythmus der weiteren Versammlungen. Ob es wie am Montag weiterhin täglich zwei Zusammenkünfte jeweils am Vormittag und am Nachmittag geben werde oder nur eine, müsse noch geklärt werden, so Lombardi.

Medienberichten zufolge könnte das Konklave zur Papstwahl in der Sixtinischen Kappelle am kommenden Montag beginnen. Bis dahin haben die Kardinäle bei den Generalkongregationen Zeit, einander kennenzulernen, sich auszutauschen und über den Beginn des Konklaves zu entscheiden.

„Cum clave“ heißt auf Lateinisch mit dem Schlüssel (abgeschlossen), und in der Sixtinischen Kapelle werden die Purpurträger tatsächlich vollkommen abgeschottet von der Außenwelt tagen. Das ist bei dem jetzigen Vorenklave der „papabili“ noch nicht der Fall.

Die Angereisten logieren derzeit noch dort, wo sie immer bei einem Besuch im Vatikan wohnen. Die Botschaften der Länder beim Heiligen Stuhl haben Residenzen in Rom.

115 Kardinäle wählen den Papst

An der Wahl des Papstes werden nach dem letzten Stand 115 Kardinäle teilnehmen, die jünger als 80 Jahre sind. Der Vatikan hofft, vor Ostern den Katholiken ein neues Kirchenoberhaupt präsentieren zu können. Nach Benedikts Rücktritt läuft seit Donnerstagabend die Übergangszeit der Sedisvakanz.

Einen klaren Favoriten für die Nachfolge auf dem Stuhl Petri gibt es nicht. Unter den italienischen Kandidaten wird immer wieder der Mailänder Erzbischof Angelo Scola genannt. Es mehren sich jedoch die Stimmen auch aus dem Kreis der Kardinäle, die auf einen neuen Papst aus Asien, Afrika oder Lateinamerika hinweisen.

Der wegen „unangemessenen“ Verhaltens zurückgetretene Erzbischof von Edinburgh, Kardinal Keith O'Brien, hat am Sonntag Fehler in seinem Umgang mit Priestern eingeräumt und um Vergebung gebeten. Drei Priester hatten ihm vorgeworfen, ihnen in den 1980er Jahren „unangemessen“ nahegekommen zu sein. O'Brien wird nicht am Konklave teilnehmen. Er hätte als einziger Geistlicher aus Großbritannien dabei sein sollen.

Diese Mehrheiten sind im Konklave notwendig

Der neue Papst muss in jedem Fall eine Zweidrittelmehrheit auf sich vereinigen. Die Kardinäle dürfen auch für sich selbst stimmen.

Benedikt XVI., der das Papstwahldekret „Universi dominici gregis“ seines Vorgänger aus dem Jahr 1996 weitgehend übernommen hat, korrigierte in dem Text den strittigen Paragrafen 75.

Denn um ein allzu langes Konklave zu verhindern, wollte Johannes Paul II. den Kardinälen nach 33 oder 34 erfolglosen Wahlgängen die Möglichkeit geben, von der Zweidrittelmehrheit zur absoluten Mehrheit überzugehen.

Diese Regelung hätte Raum für taktische Manöver und mögliche Spiele mit Sperrminoritäten gelassen, erkannten Kirchenrechtler. Und so machte Benedikt XVI. per Motu proprio diese Möglichkeit 2007 wieder rückgängig.

In lateinischer Sprache wurde verfügt, dass bei der nächsten Wahl ein Papst nur mit einer Zweidrittelmehrheit der stimmberechtigten Kardinäle gewählt werden kann. Somit hatte Papst Benedikt XVI. wieder die alte Wahlordnung hergestellt, nach der auch nach 30 bzw. 33 Wahlgängen in einem Konklave für die Wahl des neuen Papstes eine 2/3-Mehrheit erforderlich ist.

Allerdings werden ab dem 31. bzw. 34. Wahlgang nur noch Stichwahlen zwischen den beiden Kandidaten zugelassen, die im letzten offenen Wahlgang die meisten Stimmen erhalten hatten. Die beiden dann zur Wahl stehenden Kardinäle dürfen dann nicht mehr selbst wählen. (Quelle: Wikipedia)

Die Wahl erfolgt per Stimmzettel, die anschließend bis zu zwei Mal täglich samt Unterlagen verbrannt werden. Traditionell wird dabei schwarzer oder weißer Rauch als Signal für die Öffentlichkeit erzeugt.