Vergewaltigung

Freund der ermordeten Inderin wirft Polizei Versagen vor

Im Fall der vergewaltigten und ermordeten Inderin erhebt deren Freund schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Niemand half dem überfallenen Paar

Foto: AW KAJ**TOK** MY**TOK** KAJ**TOK / dapd

Rund drei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Indien hat sich erstmals ihr Freund öffentlich zu dem grausamen Verbrechen geäußert.

„Ich kann nicht in Worte fassen, wie brutal der Angriff war“, sagte der Mann am Freitag dem indischen Nachrichtensender Zee News. „Selbst Tiere verhalten sich nicht so.“

Der Begleiter, der Zeuge des Verbrechens wurde und schwer verletzt überlebte, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Niemand habe geholfen, nachdem die Täter sie aus dem Bus geworfen hätten.

Nach dem Eintreffen der Polizei habe es mehr als zwei Stunden gedauert, bis sie ins Krankenhaus gebracht worden seien. Nach Angaben des Senders sprach der Freund zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über die Tat.

Zwei Wochen nach dem Überfall erlag die 23 Jahre alte Studentin am vergangenem Sonnabend in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren inneren Verletzungen.

Am Donnerstag war vor dem ersten Schnellgericht dieser Art Anklage gegen fünf mutmaßliche Peiniger der jungen Frau erhoben worden. Ihnen droht nun die Todesstrafe. Ein sechster Verdächtiger ist wohl noch minderjährig und dürfte deshalb vor einem Jugendgericht landen.

Vergewaltigung offenbar geplant

Eigentlich hätten er und seine Freundin an jenem Abend nach einem Kinobesuch lieber mit einer Autorikscha nach Hause fahren wollen, sagte der Freund des Opfers dem Fernsehsender Zee News. Als es ein Fahrer jedoch abgelehnt habe, sie mitzunehmen, seien sie in einen mit sechs Männern besetzten Bus gestiegen. Nach einer Weile hätten diese angefangen, sie zu belästigen und anzugreifen.

Dem Bericht zufolge sagte der Begleiter weiter, die Männer hätten das Verbrechen geplant und sie in den Bus gelockt. Beide hätten sich verzweifelt gewehrt. „Ich habe mich mit drei von denen geprügelt“, schilderte der junge Mann, der während des Interviews mit einem gebrochenen Bein im Rollstuhl saß. „Ich schlug hart zu. Aber dann haben mich zwei andere mit einer Eisenstange traktiert.“

Seine Freundin habe versucht, mit dem Handy die Polizei zu alarmieren, aber die Männer hätten es ihr aus der Hand geschlagen, sagte er. Dann hätten sie die Frau zu den Rücksitzen im Bus gezerrt,vergewaltigt und mit einer Eisenstange misshandelt. Nach der Tortur hätten einige der Angreifer schließlich davon gesprochen, dass sie tot sei.

Niemand half dem schwer verletzten Paar

Als ihre nackten und blutenden Körper daraufhin aus dem Bus geworfen worden seien, habe er bei vorbeifahrenden Rikscha- und Autofahrern um Hilfe gewunken. Doch vergeblich: „Sie verlangsamten ihr Tempo, schauten auf unsere nackten Körper und fuhren weg. Nach rund 20 Minuten seien drei Polizeiwagen eingetroffen. Allerdings hätten die Beamten zunächst darüber gestritten, wer für die Klärung des Verbrechens zuständig sei.

Auch seien sie nicht in ein nahe gelegenes Hospital, sondern in eine weiter entfernte Klinik gebracht worden. „Sogar im Krankenhaus mussten wir warten und ich musste buchstäblich um Kleidung bitten“, zitierte der Nachrichtensender den Begleiter.

Anstatt medizinisch versorgt zu werden, habe er dann vier Tage auf einer Polizeistation verbracht, um bei den Ermittlungen zu helfen. Er habe seine mit dem Tod ringende Freundin im Krankenhaus besucht, ihr erzählt, dass die Angreifer festgenommen worden seien und ihr geschworen, für sie zu kämpfen. “Sie hat uns alle durch ihren Mut aufgeweckt„, erklärte ihr Freund. “Die Menschen sollten gemeinsam dafür kämpfen, dass ein solches Verbrechen nie wieder passiert – in Anerkennung an sie.“

Indien will Gewalt gegen Frauen härter bekämpfen

Indiens Regierung will nun tatsächlich ein Zeichen setzen. Die grassierende Gewalt gegen Frauen müsse “mit eiserner Hand„ bekämpft werden, erklärte Innenminister Sushilkumar Shinde. Überdies solle das gesamte Justiz- und Polizeisystem nach dem jüngsten Vergewaltigungsskandal auf den Prüfstand gestellt werden. Die Verfolgung von Missbrauchsfällen dürfe nicht länger verschleppt werden, sagte er am Freitag auf einer Konferenz indischer Regierungsvertreter zum besseren Schutz von Frauenrechten.

Unterdessen schmetterte das Oberste Gericht des Landes eine Petition ab, nach der Abgeordnete des nationalen Parlaments ebenso wie Volksvertreter in den einzelnen Bundesstaaten suspendiert werden sollten, wenn gegen sie wegen Verbrechen an Frauen ermittelt wird. Begründet wurde dies mit fehlenden Befugnissen. Allerdings zeigte sich das Gericht am Freitag offen für die Einrichtung weiterer Schnellgerichte zur Untersuchung von Vergewaltigungsvorwürfen.