Strafe ausgesetzt

Giftspritzen-Mangel stoppt Hinrichtungen in Vietnam

Weil nicht genügend Medikamente vorhanden sind, werden in Vietnam seit einem Jahr keine Exekutionen mehr vollstreckt.

Foto: Armin Weigel / dpa

Seit mehr als einem Jahr ist in Vietnam kein Häftling mehr hingerichtet worden, weil das Gift für Exekutionen fehlt. Inzwischen warten in den Todeszellen des ostasiatischen Landes mehr als 500 Gefangene auf ihre Hinrichtung, teilte ein vietnamesischer Beamter am Freitag mit.

Vietnamesische Politiker sehen sich von der EU boykottiert

Die Europäische Union sei Schuld an dem Auslieferungsstopp des notwendigen Medikaments, beklagten vietnamesische Parlamentarier in einer Debatte am Donnerstag. Die EU blockiere den Verkauf des Giftes, um Vietnam zur Abschaffung der Todesstrafe zu bewegen. „Die EU ist gegen die Todesstrafe, in aller Welt“, sagte eine Sprecherin der EU-Delegation in Hanoi. Zu dem Verkauf von Medikamenten für Hinrichtungen äußerte sie sich nicht.

Mehrarbeit für Gefängniswärter

Gefängniswärter beschweren sich über die zusätzliche Arbeit durch das Plus an Gefangenen. „Wir haben normalerweise 15 zum Tode Verurteilte zu bewachen, jetzt sind es schon 30“, sagte ein Wärter in einem Gefängnis in Hanoi. „Wir müssen viel mehr arbeiten.“ Nach seinen Angaben wird die Situation auch für die Inhaftierten mittlerweile unerträglich. „Viele bereuen ihre Taten inzwischen. Sie wollen schnell hingerichtet werden, weil die Schuld sie so belastet.“

Vietnam hat zum Tode Verurteilte lange vor Erschießungskommandos gestellt. Seit Juli 2011 müssen Hinrichtungen per Giftspritze durchgeführt werden. Die Todesstrafe wird bei den Delikten Mord, Vergewaltigung von Kindern und Drogenschmuggel verhängt.