Bei Tripolis

Gaddafis Sprecher in Libyen festgenommen

Ein Jahr nach dem Tod von Libyens Diktator Gaddafi haben die Behörden seinen Ex-Sprecher gefasst. Die Armee kämpft gegen Milizen im Land.

Foto: Mohamed Messara / dpa

Genau ein Jahr nach dem Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi ist sein ehemaliger Sprecher in Libyen festgenommen worden. Moussa Ibrahim wurde nach Angaben aus dem Kabinett vom Sonnabend in Tarhouna, 70 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis, gefasst.

Er war Sprecher des Gaddafi-Regimes während der Zeit des Bürgerkriegs. Moussa Ibrahim wurde nach Tripolis gebracht, wo er vernommen werden soll.

Gaddafi war am 20. Oktober 2011 nach einen Nato-Bombardement der Stadt Sirte von Rebellen getötet worden. Ein Jahr danach kämpft die Übergangsregierung immer noch mit vielen Problemen. Die schwierigste Aufgabe ist es, für Sicherheit zu sorgen und die Macht der ehemaligen Revolutionsbrigaden einzudämmen.

Die Armee begann am Sonnabend mit Angriffen auf Milizen in der Wüstenstadt Bani Walid. Wie Staatsmedien berichten, wurden fünf Soldaten verletzt. Die 180 Kilometer südöstlich von Tripolis gelegene Stadt wird seit zwei Wochen von Milizen belagert, die Befehle aus der Stadt Misrata erhalten. Bani Walid gehörte während der Revolution 2011 zusammen mit Sirte, der Heimatstadt Gaddafis, zu den letzten Hochburgen seiner Anhänger.

Grund für den aktuellen Konflikt war die Entführung eines jungen Mannes aus Misrata, der am 20. Oktober 2011 das Versteck Gaddafis in Sirte entdeckt hatte. Omran Schaaban war vor einigen Wochen angeschossen, nach Bani Walid verschleppt und dort gefoltert worden. Er starb nach seiner Freilassung im Krankenhaus an den Folgen der schweren Misshandlungen.

Der Nordafrika-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Wolfram Lacher, erklärte, es sei wichtig, die Milizen in Libyen schrittweise aufzulösen oder einzugliedern. "Es geht darum, klare Strukturen im Sicherheitssektor zu schaffen, die Milizen unter Kontrolle zu bringen", sagte er am Sonnabend im Deutschlandradio Kultur. Libyen sei noch am Anfang eines sehr schwierigen Umbruchprozesses, der von Instabilität und Konflikten geprägt sei.

Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff reiste am Sonnabend nach Libyen. Dort wollte er den Abschlussbericht der von ihm geleiteten EU-Wahlbeurteilungsmission vorstellen. Lambsdorff will in dem nordafrikanischen Land unter anderem Premierminister Ali Seidan treffen, der vor einigen Tagen gewählt wurde und jetzt eine Regierung bilden soll.