Russland

Eine Sängerin von Pussy Riot aus der Haft entlassen

Ein Moskauer Berufungsgericht hat das Hafturteil in Bewährung umgewandelt. Die anderen beiden Frauen bleiben im Gefängnis.

Foto: Sergey Ponomarev / dapd

Knapp zwei Monate nach dem Hafturteil gegen die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot hat ein Berufungsgericht in Moskau am Mittwoch eine der Sängerinnen auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil gegen die beiden anderen Frauen wurde am Mittwoch jedoch bestätigt. Sie müssen für zwei Jahre in ein Straflager.

Das Urteil von Jekaterina Samuzewitsch wurde in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Die neue Anwältin von Samuzewitsch hatte kurz zuvor während der Anhörung vor Gericht gesagt, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr „Punkgebet“ gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Staatschef Wladimir Putin in der Kirche aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits außerhalb der Kirche befunden, sagte die Anwältin.

Die drei Musikerinnen waren Mitte August 2012 wegen einer Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Vor allem im Ausland wurde das Urteil als überzogen kritisiert.

Die drei inhaftierten Frauen hatten vor einem Berufungsgericht um eine Aufhebung ihres Schuldspruchs gebeten.

„Wir wollten niemanden beleidigen“, erklärte am Mittwoch Maria Alechina (24), die gemeinsam mit Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekatarina Samuzewitsch (30) vor Gericht stand. Sie hätten gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und auch gegen die Orthodoxe Kirche protestiert, die seine Herrschaft unterstütze. „Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und sprituellen Eliten vereinen“, erklärte Alechina.

Die Richterin unterbrach immer wieder Aussagen der Kremlgegnerinnen gegen Putin mit dem Hinweis, das Gericht sei keine politische Bühne, wie Beobachter berichteten. Vor dem Gerichtsgebäude protestierten sowohl Anhänger der Band mit Rufen wie „Freiheit für Pussy Riot!“ als auch russisch-orthodoxe Christen, die nach harten Strafen riefen.

Proteste vor dem Gerichtsgebäude

„Heilige Muttergottes, vertreibe Putin“ war auf einem riesigen Banner an einem Haus zu lesen. Der Spruch erinnert an das umstrittene Protestlied der Band. Die Verteidigung betonte, dass es für eine Verurteilung wegen Rowdytums und Verletzung religiöser Gefühle keine Grundlage gebe. Verteidiger Mark Fejgin kritisierte zudem, dass Putin das Gericht beeinflusse, indem er – wie zuletzt – das harte Vorgehen gegen seine Kritiker ausdrücklich begrüßt habe.

Auch deshalb machen sich die Juristen wenig Hoffnung darauf, dass die Berufungsinstanz den ersten Richterspruch kippen könnte. Wie bei den bisherigen Sitzungen waren die Sicherheitsvorkehrungen am Gericht extrem. Auf einem großen Transparent forderten Putin-Gegner den Rücktritt des Präsidenten. Mindestens zwei Menschen wurden festgenommen, hieß es.

Verteidigerin Violetta Wolkowa forderte ein neues unabhängiges Gutachten zu der Aktion. Damit solle gezeigt werden, dass es in dem Punkgebet nicht um religiösen Hass, sondern ausschließlich um eine politische Kritik an Putin sowie an der engen Verbindung zwischen Staat und Kirche gehe. Das Gericht in erster Instanz habe den politischen Aspekt ignoriert, kritisierte Wolkowa.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Musikerinnen als politische Gefangene anerkannt. Die russische Gesellschaft ist bei allgemeiner Ablehnung politischer Proteste in Kirchen Umfragen zufolge tief gespalten in Gegner und Befürworter einer harten Strafe. Das vom Kreml gesteuerte Fernsehen stellt die Aktivistinnen, von denen zwei Mütter kleiner Kinder sind, seit Monaten als Schwerverbrecherinnen dar.

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