Angriff auf Konsulat

US-Militärs planen angeblich Vergeltungsschlag in Libyen

Nach dem tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi fassen die USA einem Bericht zufolge eine Vergeltungsaktion ins Auge.

Foto: Mohammad Hannon / dapd

Nach dem blutigen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi fassen US-Militärs nach Informationen der „New York Times“ einen Vergeltungsschlag ins Auge. Spezialeinheiten sammelten demnach Informationen für einen möglichen Angriff auf die Täter des Anschlags, bei dem am 11. September vier amerikanische Diplomaten getötet wurden.

Obama soll besseren Schutz abgelehnt haben

Zugleich klagt der Kongress an: Die Regierung von Präsident Barack Obama habe einen besseren Schutz für das Konsulat abgelehnt. Eine mögliche Operation von Spezialeinheiten ziele auf eine Gefangennahme oder die Tötung der mutmaßlichen Täter ab, berichtete die Zeitung am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe. Allerdings seien die Vorbereitungen noch in einem sehr frühen Stadium. Es sei noch keinerlei Entscheidung über eine mögliche Aktion gefallen, hieß es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

US-Außenministerin Hillary Clinton will die Umstände des Angriffs auf das US-Konsulat untersuchen lassen. Es solle „vollständig und genau“ herausgefunden werden, was geschehen sei, „um zu verhindern, dass es sich wiederholt“, schrieb Clinton in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort an den republikanischen Abgeordneten Darell Issa. Das kalifornische Mitglied des Repräsentantenhauses hatte zuvor den Vorwurf erhoben, die US-Regierung habe das Konsulat trotz Warnungen nicht ausreichend geschützt.

Obama hatte unmittelbar nach dem Anschlag versprochen, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen. Die US-Geheimdienste kamen unlängst zu dem Urteil, dass es sich entgegen ersten Annahmen um einen Anschlag von Terroristen mit möglichen Verbindungen zu Al-Kaida gehandelt habe. Das Konsulat wurde unter anderem mit Raketen beschossen und in Brand gesteckt.

Drohnenangriff oder Einsatz von Spezialeinheiten

Die „New York Times“ schreibt, Obama habe bei einer Vergeltungsaktion in Libyen mehrere Optionen, darunter etwa Drohnenangriffe und Einsätze von Spezialeinheiten wie etwa bei der Tötung von Osama bin Laden im vergangenen Jahr in Pakistan. Denkbar seien auch gemeinsame Operationen mit libyschen Einheiten. Jede Aktion berge aber erhebliche militärische und politische Risiken.

Mehrere Kongressabgeordnete warfen Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag vor, die Regierung habe mehrfach Bitten um verstärkten Schutz für das Konsulatsgebäude in Bengasi abgelehnt.

Auch habe es bereits vor dem Angriff am 11. September eine Serie von Drohungen gegeben. „Dennoch wurden der Mission in Libyen diese Ressourcen aus Washington versagt“, schrieben die Vorsitzenden des Aufsichtskomitees im Kongress in einem Brief an Clinton.

Die Kongressabgeordneten setzten für nächste Woche eine offizielle Anhörung zu dem Thema an. Das Außenamt in Washington nahm zu den Vorwürfen zunächst keine Stellung. „Wir sammeln derzeit alle Informationen zusammen, damit wir antworten können“, sagte eine Sprecherin.