Wahl in Georgien

Milliardär Iwanischwili ist für viele Landsleute ein Rätsel

Georgien hat den Wechsel gewählt. Bidsina Iwanischwili will Regierungschef werden. Doch wer ist der Mann und was will er?

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Er hat eine Leidenschaft für exotische Tiere, kauft unschätzbare Kunstwerke und erklärt, Psychoanalytiker zu sein: Der Unternehmer und Milliardär Bidsina Iwanischwili gehört sicherlich nicht zum üblichen Typus des Berufspolitikers. Er war als Kind so arm, dass er barfuß laufen musste, weil kein Geld für Schuhe da war. Heute besitzt der exzentrische Philanthrop Milliarden und soll nach dem Wahlsieg vom Montag der neue Regierungschef in Georgien werden.

Forbes führt den 56-Jährigen auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 153.

Präsident Michail Saakaschwili gestand am Dienstag seine Niederlage bei der Parlamentswahl ein. Seine Partei Vereinte Nationale Bewegung gehe in die Opposition, sagte er. Das Parteienbündnis Georgischer Traum von Iwanischwili habe das Recht, eine Regierung zu bilden.

Ehemals Unterstützer von Präsident Saakaschwili

Iwanischwili hat in Russland während der turbulenten Zeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Vermögen gemacht. Im Jahr 2003, kurz vor der sogenannten Rosenrevolution, die Saakaschwili an die Macht brachte, kehrte er in sein Heimatland zurück.

Jahrelang unterstützte er heimlich die Reformen Saakaschwilis mit seinem Geld: Er kaufte neue Stiefel für die georgischen Soldaten, stattete die Polizei mit Fahrzeugen aus und half die Bezahlung von Abgeordneten und Mitarbeitern der Ministerialbürokratie anzuheben, damit diese keine Bestechungsgelder annehmen.

Doch das Verhältnis Iwanischwilis zum Präsidenten kühlte deutlich ab, nachdem dieser hart gegen Dissidenten durchgriff, die Medien kontrollieren ließ und die Kaukasusrepublik im Jahr 2008 in einen Krieg gegen Russland führte. Saakaschwili habe ihn hinters Licht geführt, erläuterte der Unternehmer und schockte Tiflis im vergangenen Jahr mit seiner Ankündigung, zur Wahl anzutreten. Der Präsident reagierte darauf mit einem Gegenangriff: er nannte Iwanischwili einen „Strohmann“ Moskaus.

Vorwürfe, die der Herausforderer als lachhaft abtat, schließlich habe er jahrelang mit Saakaschwili einen Präsidenten finanziert, der sich zum Erzfeind des Kremls aufgeschwungen habe. In einem Interview der Nachrichtenagentur AP im vergangenen Sommer hatte Iwanischwili betont: „Ich bin ein unabhängiger Mensch und ich bin der einzige, der mein Gehirn, mein Geld und meinen Namen für etwas einsetzt.“

Was der neue starke Mann verspricht

Der 56-Jährige verspricht, Georgiens Versuch, der EU und der Nato beizutreten, weiter voranzutreiben. Zugleich verspricht er aber auch, die Wirtschaftsverbindungen zu Russland wieder herzustellen und Moskau dazu zu bringen, Embargos aufzuheben. Es sei ihm klar, dass dies ausgesprochen schwer zu vereinbaren sei.

Iwanischwili, klein, schmal und quirlig, war das jüngste von fünf Kindern, sein Vater war Bergarbeiter. „Unser ganzes Dorf war arm, nicht nur ich“, sagte er. Er habe sich keine Schuhe leisten können und sein größter Traum sei ein Fahrrad gewesen, das er jedoch nie bekam. Nachts studierte er Ingenieurswesen an der Universität von Tiflis, tagsüber arbeitete er in einem Stahlwerk. Er zog dann nach Moskau um sich an einen Abschluss in Arbeitsökonomie zu machen.

Zusammen mit einem Freund ergriff er die Chance, die Gorbatschows Perestroika-Politik bot. Zunächst importierte er Computer aus dem Westen, dann gründete er eine Bank, die zu einer der führenden Geldhäuser Russlands wurde. Er stieg ins Rohstoffgeschäft ein, wo er enorme Gewinne machte und bekam einen russischen Pass.

Ende der 1990er Jahre zog er nach Paris, wo er die französische Staatsbürgerschaft erhielt. Bevor er seine Kandidatur erklärte, verkaufte er alle Geschäftsanteile in Russland und gab auch seinen russischen Pass zurück.

Kritik an feudalistischem Gebaren

Iwanischwili beschreibt sich selbst als stillen Familienmenschen. Seine größte Freude seien Spaziergänge mit seiner Frau.

Nach seiner Rückkehr nach Georgien im Jahr 2003 verwandelte er sein armes Heimatdorf in eine Art persönliches Lehen: Dorfbewohner erhielten großzügige monatliche Beihilfen und er spendete jedem Haushalt einen Ofen.

Zudem baute er Schulen, Krankenhäuser und Kirchen im ganzen Land. Seine anonym gezahlten Stipendien für von ihm geschätzte Schauspieler in Tiflis trugen allerdings schon monarchische Züge.

Eine Kritik, die ihm trotz der vielen dankbaren Stimmen im Land, öfter entgegen schallt. Statt in feudalistischer Manier Geld und Geschenke zu verteilen, solle er lieber in Sozial- und Arbeitsbeschaffungsprogramme investieren, heißt es. Iwanischwili hat schnelle Reformen versprochen, um Investitionen anzukurbeln und demokratische Institutionen zu stärken.

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