Mohammed-Video

Reporter stirbt bei Ausschreitungen in Pakistan

Am Tag der Freitagsgebete haben sich Demonstranten in Pakistan Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei kam ein Mann ums Leben.

Foto: AAMIR QURESHI / AFP

Trotz schärfster Sicherheitsvorkehrungen ist am Freitag ein Mensch bei den Protesten gegen das islamfeindliche Video aus den USA und die Mohammed-Karikaturen eines französischen Satireblatts getötet worden.

In Pakistan sei in der Provinzhauptstadt Peshawar der Fahrer eines Fernsehteams gestorben, als auf das Auto geschossen wurde, teilte ein Sprecher des Senders ARY News mit. Die US-Regierung versuchte, im pakistanischen Fernsehen den Spannungen entgegenzuwirken. Im muslimischen Malaysia protestierten mehrere Tausend Menschen friedlich.

Der ARY-Reporter war nach Angaben des Senders mit Kollegen auf dem Weg zu einem Kino gewesen, das zuvor von Demonstranten in Brand gesteckt worden war. Aus Angst vor Unruhen kündigte die Polizei eine vollständige Abriegelung der pakistanischen Hauptstadt Islamabad an. Die Verkehrspolizei werde die Einfallstraßen in die Stadt nach den Freitagsgebeten sperren, berichtete der staatliche Sender Radio Pakistan auf seiner Homepage.

Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zuvor zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten daraufhin zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Der Film aus den USA, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, sei die „schlimmste Art von Bigotterie“, sagte Ashraf. Das habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Gleichzeitig forderte er die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen dazu auf, Wege zu finden, um Äußerungen zu verbieten, die „Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen“.

Pakistans Regierung bestellt US-Botschafter ein

Aus Protest gegen ein islamfeindliches Mohammed-Video aus den USA hat die pakistanische Regierung am Freitag den amerikanischen Botschafter einbestellt. Wie das staatliche Fernsehen berichtete, wurde die US-Regierung in einem offiziellen Schreiben an Botschafter Richard Hoagland zum Handeln gegen die Produzenten des „frevelhaften Films“ über den Propheten Mohammed aufgefordert. Zudem solle sich Washington dafür einsetzen, dass der Streifen von der Internetplattform YouTube gelöscht werde.

In Malaysia waren nach Polizeischätzungen etwa 5000 Menschen vor der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee aufgezogen. Die Botschaft war in Erwartung der Proteste am Morgen geschlossen worden. Regierungschef Najib Razak bezeichnete das Video als „tief verletzend“, rief seine Landsleute aber auf, Ruhe zu bewahren und dafür zu sorgen, dass die Proteste nicht in Gewalt ausarten. „Mehr als je zuvor muss jeder von uns dazu beitragen, dass wir uns alle um mehr Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis bemühen, um in Harmonie leben zu können“, sagte er. In Indonesien waren gepanzerte Polizeifahrzeuge vor der aus Sicherheitsgründen geschlossenen US-Botschaft aufgefahren.

USA distanziert sich von Video

Die USA ist derweil um Deeskalation bemüht. In Pakistan laufe auf sieben Fernsehsendern ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.

In dem kurzen und mit Urdu-Untertiteln versehenen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betont, dass die USA mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun haben. Nach Angaben der Sprecherin können die sieben Sender, auf denen der Spot ausgestrahlt wird, theoretisch 90 Millionen Pakistaner erreichen.

Am Donnerstag hatte das Weiße Haus den tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi in der Vorwoche erstmals als Terrorismus bezeichnet. Es sei offensichtlich, dass die Tötung des amerikanischen Botschafters Chris Stevens bei antiamerikanischen Protesten auf das Konto von Terroristen gehe, sagte Regierungssprecher Jay Carney.