Terror-Angst

Deutsche Botschaften bleiben am Freitag geschlossen

Sorge vor einer neuen Gewaltwelle: Außenminister Westerwelle prüft zusätzlichen Schutz für deutsche Einrichtungen in der islamischen Welt.

Foto: REUTERS TV / REUTERS

Aus Sorge vor neuen Protesten bleiben an diesem Freitag zahlreiche deutsche Botschaften in der islamischen Welt komplett geschlossen. Darüber hinaus wird nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zusätzlicher Schutz für andere deutsche Einrichtungen geprüft.

Wegen eines islamfeindlichen Videos über den Propheten Mohammed hatte ein Mob vor einer Woche die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum in Brand gesetzt. Zudem gibt es Sorgen wegen der Veröffentlichung von neuen Mohammed-Karikaturen in Frankreich.

In der islamischen Welt sind viele Botschaften freitags ohnehin ge schlossen. In mehreren Ländern bekamen die deutschen Diplomaten jetzt aber zusätzlich die Anweisung, den Botschaften unbedingt fernzubleiben.

Über weitere Schließungen werde „lageabhängig“ entschieden, sagte Westerwelle. „Das kann sich auch sehr kurzfristig ergeben.“ Zugleich bekräftigte er: „Keine Karikatur und kein noch so schändliches Video rechtfertigen Gewalt gegen unsere Botschaften und Auslandsvertretungen.“

Westerwelle warnt vor „Titanic“-Satire

Vor der Veröffentlichung eines Mohammed-Titels in der Satire-Zeitschrift „Titanic“ warnte Westerwelle davor, angesichts der Protestwelle in den islamischen Ländern Öl ins Feuer zu gießen. „Meinungsfreiheit ist nicht die Freiheit, Andersgläubige zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu verunglimpfen“, sagte er. Alle, die sich jetzt auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit beriefen, müssten auch ihre Verantwortung kennen. „Nicht derjenige ist der größere Freigeist, der jetzt aus ganz anderen Gründen auch noch Öl ins Feuer gießt“, erklärte Westerwelle.

Das Satire-Magazin „Titanic“ will kommende Woche das Bild eines islamischen Kriegers mit Ex-Präsidenten-Gattin Bettina Wulff im Arm auf dem Titelbild abdrucken. Die Schlagzeile darunter lautet: „Der Westen im Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film!“

Karikaturist Westergaard mahnt Meinungsfreiheit an

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, der mit seinen Mohammed-Zeichnungen vor sieben Jahren eine Welle der Gewalt auslöste, warnte unterdessen, der Westen dürfe sich nicht aus Furcht vor einer Kränkung islamischer Sensibilitäten mundtot machen lassen.

Er bedauere sein Werk nicht, die Meinungsfreiheit sei zu wertvoll, um sie aufzugeben, sagte der 77-Jährige dem österreichischen Magazin „News“. „Sollen wir uns künftig von islamischen Autoritäten in zutiefst undemokratischen Staaten zensieren lassen?“, fragte er. „Sollten sie der deutschen Kanzlerin sagen dürfen, wenn sie ehren soll und wen nicht?“ Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Westergaard für seine Arbeit ausgezeichnet. „Es ist schlimm genug, wenn Leute wie Politiker oder Journalisten, die mit Wörter arbeiten, das Offensichtliche nicht mehr aussprechen“, sagte Westergaard. „Daran haben wir uns gewöhnt, aber glücklicherweise noch nicht daran, dass sich inzwischen sogar Zeichenverbote durchsetzen.“

Proteste in Teheran gegen Mohammed-Karikaturen

In der iranischen Hauptstadt Teheran zogen Studenten vor die französische Botschaft, um gegen die jüngst in Frankreich veröffentlichten Mohammed-Karikaturen zu protestieren. In Sprechchören wünschten die Demonstranten Frankreich und Amerika den Tod, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete. Das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hatte am Mittwoch Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht.

Die französische Regierung kritisierte den Herausgeber für den Schritt und ordnete für Freitag als Vorsichtsmaßnahme die vorübergehende Schließung von Botschaften, Konsulaten, Schulen und Kulturzentren in 20 Ländern an.

Islam-Kritiker wollen Kampagne starten

Eine islamkritische Anzeigenkampagne in den USA droht unterdessen, die Proteste weiter anzufachen. Eine pro-israelische Interessengruppe will ab Montag in zehn New Yorker U-Bahn-Stationen ein Plakat aufhängen, das den Heiligen Krieg (Dschihad) mit Barbarei gleichgesetzt. Ein Sprecher der U-Bahn-Gesellschaft erklärte, diese habe sich zunächst geweigert, die Anzeige der Vereinigung American Freedom Defense Initiative wegen ihrer Formulierungen zu plakatieren. Daraufhin habe die Gruppe geklagt und Recht bekommen.

Eine Schauspielerin aus dem Mohammed-Film reichte in Los Angeles Klage gegen den Produzenten ein. Die Frau wirft ihm vor, sie über den Inhalt des Films getäuscht zu haben. Es sei während des Drehs nie von Mohammed oder einem Religionsbezug die Rede gewesen, argumentierte sie. Sie forderte, dass der Film von Internet-Plattform YouTube entfernt wird, da ihr Leben in Gefahr sei.