Nach Fukushima

Japan sagt sich bis 2040 von der Atomenergie los

Eineinhalb Jahre nach der Katastrophe von Fukushima zieht die Konsequenzen. Ab 2040 will das Land ohne Kernenergie auskommen.

Foto: DAPD

Eineinhalb Jahre nach der Katastrophe von Fukushima zieht Japan Konsequenzen und plant den Atomausstieg. Bis zu den 2030er-Jahren sollen die rund 50 Kernkraftwerke vom Netz gehen, und es dürfen auch keine neuen mehr gebaut werden, kündigte die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda am Freitag an. Bestehende Reaktoren, die die neue Regulierungsbehörde für sicher hält, sollen hingegen wieder hochgefahren und bis zum Ende der Abschaltefrist betrieben werden können. Nach spätestens 40 Jahren Betriebsdauer sollen alle AKWs vom Netz gehen. Ob Japan aber tatsächlich dem Beispiel Deutschlands und der Schweiz folgt und die Energiewende einleitet, bleibt offen. Denn der eher unbeliebten Regierung unter Noda droht die Abwahl. Die Nachfolger könnten die Politik wieder umkehren.

Der Atomausstieg wäre für Japan ein noch größerer Umbruch als für Deutschland, das 2022 den letzten Meiler vom Netz nehmen will. Denn Japan wollte als weltweit drittgrößter Nutzer von Kernenergie ursprünglich deren Anteil an der Gesamtversorgung auf mehr als 50 von rund 30 Prozent ausbauen. Doch dann kam der 11. März 2011: Um 14.46 Uhr erschütterte eines der schwersten jemals gemessenen Beben das Land. Ein Tsunami brach über die Nordostküste des Landes herein und löste den schwersten Atomunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 aus. 16.000 Menschen kamen ums Leben, knapp 3300 gelten immer noch als vermisst. Noch immer kämpft Japan mit den Folgen der Dreifach-Katastrophe. Bis auf zwei sind derzeit alle rund 50 Reaktoren zu Wartungsarbeiten heruntergefahren. Deshalb musste in weiten Teilen des Landes immer wieder Strom gespart werden.

Regierung setzt auf mehr erneuerbare Energien

Nodas Regierung beschloss nach einem Treffen wichtiger Minister zudem, den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtversorgung bis 2030 auf 30 Prozent hochzufahren. Zudem soll der Stromverbrauch insgesamt vom Niveau des Jahres 2010 bis 2030 um zehn Prozent gesenkt werden.

Umfragen zufolge befürwortet die Mehrheit der Bevölkerung den Ausstieg aus der Atomenergie – ob bald oder später. Die mächtige Wirtschaftslobby fürchtet als Folge aber steigende Strompreise und sorgt sich deshalb um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Kernkraftgegner halten dies für übertrieben und verweisen auf die Chancen von erneuerbaren Energien, die für Innovationen und Wirtschaftswachstum sorgen könnten. „Ein totaler Ausstieg aus der Atomenergie ist – insgesamt gesehen - positiv für die Wirtschaft“, sagte Energieexperte Andrew Dewit von der Rikkyo Universität. Dies sorge für Anreize, bei der Energie auf Effizienz und Erneuerbare zu setzen. „Japan hinkt in beiden Bereichen hinterher, und sie bieten die größten Wachstumschancen“, sagte Dewit.