Punk-Band

Mitglieder von Pussy Riot flüchten aus Russland

Drei Musikerinnen von Pussy Riot sind zu Haftstrafen verurteilt worden. Zwei weitere sind jetzt geflohen. In Berlin gab es Mini-Proteste.

Foto: DPA

Zwei Mitglieder der kremlkritischen Punkband Pussy Riot sind nach einem Fahndungsaufruf der Moskauer Justiz aus Russland geflohen. Die Frauen würden im Ausland „Feministinnen anwerben, um neue Proteste vorzubereiten“, hieß es am Sonntag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der Anwalt der drei Frauen, Mark Fejgin, konnte laut einem Bericht auf der Internetseite der BBC die Flucht von zwei Aktivistinnen nicht bestätigen, da die Frauen anonym geblieben seien. Er habe keinen Kontakt zu den verbliebenen Mitgliedern, da dies für sie zu unsicher sei. Es sei indes unmöglich, den Autor - und damit die Echtheit – des Twitter-Eintrags festzustellen, gab er zu bedenken.

Den beiden Aktivistinnen droht in Russland eine Gefängnisstrafe wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“. Sie sollen gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot in einer Moskauer Kirche mit einem Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin protestiert haben. Die drei Frauen waren vor kurzem trotz internationaler Kritik zu je zwei Jahre Lagerhaft verurteilt worden.

Laut Pussy Riot befinden sich noch mindestens zwölf weitere Aktivistinnen in Russland. An der Protestaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Februar hatten sich fünf Mitglieder der Gruppe beteiligt. Sie alle trugen ihre charakteristischen Häkelmasken. Nur drei von ihnen wurden allerdings später identifiziert und festgenommen und am 17. August verurteilt.

Angesichts der Flucht der beiden Frauen aus Russland forderte der Grünen-Politiker Volker Beck, dass Deutschland ihnen humanitäre Aufnahme anbietet. Dies sei wichtig für ihren Schutz und ein starkes Signal an die demokratische Opposition in Russland, erklärte der menschenrechtspolitische Sprecher seiner Partei. Beck verwies dabei auf Paragraph 23 Absatz 2 des Aufenthaltsgesetzes. Nach dieser Bestimmung könne das Bundesinnenministerium „zur Wahrung besonders gelagerter politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland eine Aufnahmezusage erteilen“.

Nur drei Frauen bei Protesten in Berlin

Einem Aufruf zu einer Solidaritätsaktion mit den inhaftierten russischen Pussy-Riot-Mitgliedern folgten am Sonntag in Berlin nur drei Frauen. Sie trugen das Symbol der Punkband: Wollmützen. „Kommt mit bunten Wollmützen über dem Kopf zur Russisch-Orthodoxen Kathedrale Berlin und sprecht euer Gebet zu Ehren der verurteilten Pussy Riot“, hatte es zuvor auf dem Online-Netzwerk Facebook geheißen. Mehr als 90 Mitglieder hatten ihr Kommen zu der Aktion auf dem Hohenzollerndamm in Wilmersdorf zugesagt. Vor einer Woche hatten drei Pussy-Riot-Nachahmer einen Gottesdienst im Kölner Dom gestört. Gegen sie wurde Strafanzeige gestellt. In Berlin passierte nach Angaben der Polizei zunächst nichts Vergleichbares.