Syrien

Assad will Krieg „um jeden Preis” gewinnen

Während Aktivisten von einem neuen Massaker mit 320 Toten berichten, will der syrische Präsident das „ausländische Komplott” beenden.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat erneut seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Regierungsgegner im eigenen Land demonstriert. Seine Regierung werde „um jeden Preis“ das gegen sein Land geführte „ausländische Komplott“ bezwingen, zitierte die Nachrichtenagentur Sana am Sonntag Assad. „Das syrische Volk wird nicht zulassen, dass es dem Komplott gelingen wird, seine Ziele zu erreichen.“

Der Konflikt in Syrien richte sich nicht gegen sein Land allein, sondern gegen die „gesamte Region“, denn Syrien sei einer ihrer Eckpfeiler, sagte Assad den Angaben zufolge weiter. Syrien werde seine „Strategie des Widerstands“ fortsetzen. Assad sieht sich seit nunmehr 17 Monaten einem blutigen Aufstand gegen seine Regierung gegenüber. Nach Angaben von regierungsunabhängigen Organisationen wurden in dem Konflikt bislang etwa 25.000 Menschen getötet.

Aktivisiten berichten von neuem Massaker mit 320 Toten

In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Oppositionsangaben zahlreiche Leichen entdeckt worden. In der Stadt Daraja seien 320 Tote gefunden worden, berichteten die Lokalen Koordinierungskomitees in der Nacht zum Sonntag im Internet. Sie seien Opfer der Regierungstruppen geworden, hieß es. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

Insgesamt seien am Sonnabend in Syrien etwa 440 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, berichteten die Komitees. Darunter seien auch Frauen und Kinder gewesen. In Damaskus und Umgebung seien es 310 Tote gewesen. Diese Zahl schließe die Opfer in Daraja ein.

Die oppositionellen syrischen Menschenrechtsbeobachter berichteten von mehr als 120 unidentifizierten Opfern in Daraja. 80 Tote in dem Ort hätten identifiziert werden können.

Kommandeur der Regierungstruppen soll sich abgesetzt haben

Erstmals soll sich ein Kommandeur abgesetzt haben, der größere Kampfverbände befehligt hatte. Jordanische Medien meldeten, General Mohammed Mussa al-Chairat habe am Sonnabend die Grenze überquert.

Der Name des Kommandeurs der 7. Division war im Januar auf einer von den Koordinationskomitees der Syrischen Revolution in der Stadt Dschasim verbreiteten Liste aufgetaucht. Die Aktivisten hatten damals die Namen von Militärs aufgelistet, die nach ihren Angaben an der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung in ihrer Stadt beteiligt waren.

Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabija, wonach sich auch Vizepräsident Faruk al-Scharaa nach Jordanien abgesetzt haben soll. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee hatte erst kürzlich erklärt, Al-Scharaa habe sich von Präsident Baschar al-Assad losgesagt. Er halte sich „an einem sehr sicheren Ort in Syrien“ auf. Beobachter hatten spekuliert, dass die Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Grenzprovinz Daraa in den vergangenen Tagen verstärkt hatten, um eine Flucht des Vize zu verhindern.

Rakete in Jordanien eingeschlagen

In Jordanien ist am späten Sonnabend erneut eine Rakete eingeschlagen. Nach jordanischen Angaben ging das Geschoss in der Nähe einer Grenzstadt nieder, ohne Schaden anzurichten. Die Regierung in Amman sei dennoch „sehr besorgt“ über den Zwischenfall, erklärte der jordanische Informationsminister Samih al-Maajta.

„Dies ist eine Verletzung der nationalen Souveränität, und unabhängig davon, ob es absichtlich oder nicht war, ist der Vorfall inakzeptabel“, erklärte al-Maajta.

Jordanien werde eine angemessene Antwort auf die Verletzung seiner Souveränität finden. Beim Einschlag von vier Raketen am vergangenen Sonntagabend waren mehrere Menschen in Jordanien verletzt worden.