Rede vom Balkon

Assange beschuldigt USA der „Hexenjagd“ auf Wikileaks

Erstmals seit seiner spektakulären Flucht in die ecuadorianische Botschaft hat sich Assange in der Öffentlichkeit gezeigt.

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich in einer mit Spannung erwarteten Ansprache vor der ecuadorianischen Botschaft in London über seine Zukunft ausgeschwiegen. Er bedankte sich für die Unterstützung aus Ecuador, anderen südamerikanischen Ländern und der ganzen Welt. „Während Wikileaks bedroht wird, wird auch die Meinungsfreiheit und die Gesundheit unserer ganzen Gesellschaft bedroht“, sagte Assange am Sonntag.

Er zeigte sich auf dem Balkon der Botschaft. Damit bewegte er sich auf diplomatisch unverletzlichem Gebiet: Laut der Wiener Konvention ist die Hoheitsgewalt der Behörden des Gastgeberlandes dort außer Kraft gesetzt. Andernfalls hätte Assange eine Festnahme durch die britische Polizei riskiert.

Vor dem Gebäude standen mehrere hundert Sympathisanten, Medienvertreter und Neugierige. Auch eine Hundertschaft der Polizei war vor Ort. Kurz vor dem Auftritt hatte Assanges Anwalt gesagt, ein weiterer juristischer Schritt sei geplant. Details dazu gab es nicht.

Assange forderte die USA auf, ihre „Hexenjagd“ auf die Enthüllungsplattform Wikileaks und Informanten zu beenden. Unter anderem müssten der Wikileaks-Informant Bradley Manning sowie andere aus dem Gefängnis entlassen werden und Entschädigung für ihre Haft bekommen.

Assange soll wegen mutmaßlicher Sexualdelikte nach Schweden ausgeliefert werden, hat aber von Ecuador politisches Asyl bekommen. Er fürchtet, an die USA ausgeliefert zu werden. Wikileaks hatte zahlreiche vertrauliche Dokumente veröffentlicht und damit unter anderem die US-Regierung an den Pranger gestellt.