Syrien

Assads Armee liefert sich blutige Gefechte mit Rebellen

Während das Ende der UN-Beobachtermission endgültig besiegelt wurde gehen die Kämpfe in Syrien mit unverminderter Härte weiter.

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Die syrische Hauptstadt Damaskus ist erneut zum Kampfschauplatz geworden. Aktivisten berichteten am Freitag von Explosionen und Gefechten rund um den Militärflughafen Al-Messe im Westen der Metropole. Die Regierungstruppen sollen Panzer und Helikopter eingesetzt haben. Die Bevölkerung im eleganten Grünviertel Al-Messe sei verängstigt und schockiert, hieß es in den Berichten. Auch von der südlichen Peripherie der Hauptstadt wurden Kämpfe gemeldet.

Die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad hatten die Aufständischen vor mehr als zwei Wochen aus Damaskus verdrängt. Seitdem greifen die Rebellen immer wieder mit Nadelstichaktionen verschiedene Regierungs- und Funktionärswohnviertel an.

In der umkämpften nördlichen Großstadt Aleppo verstärkten die Regimetruppen den Artilleriebeschuss. Dabei würden sie nun auch besonders großkalibrige Geschosse einsetzen, sagte ein örtlicher Rebellenkommandeur. Die Kämpfe um Aleppo dauern seit fast vier Wochen an. Keine der Seiten konnte bislang eine entscheidende Wende herbeiführen.

Mandat läuft am Sonntag aus

Syrische Regierungstruppen haben sich staatlichen Medienberichten zufolge nahe dem Flughafen der umkämpften Stadt Aleppo Gefechte mit Rebellen geliefert. Die Berichte vom Freitag waren die erste offizielle Bestätigung, dass sich die Kämpfe dem strategisch wichtigen Flughafen genähert haben. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA meldete, „bewaffnete Terroristengruppen“ - so werden die Rebellen von der Regierung bezeichnet – seien aus Gegenden auf beiden Seiten des Flughafens zurückgedrängt worden. Der Flughafen liegt rund 15 Kilometer südöstlich der Altstadt von Aleppo.

Der UN-Sicherheitsrat besiegelte indes das endgültige Ende der Beobachtermission in Syrien (Unsmis). Das Mandat läuft damit an diesem Sonntag um Mitternacht aus und wird nicht verlängert. Stattdessen soll es ein Verbindungsbüro in Damaskus geben, in dem rund 30 bis 40 Menschen arbeiten sollen. Russland kündigte für den Freitag (Ortszeit) ein Treffen der Syrien-Aktionsgruppe – bestehend aus den Veto-Mächten im Sicherheitsrat und arabischen Ländern – an.

Nach Informationen westlicher Diplomaten am UN-Sitz in New York soll der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi (78) grundsätzlich zugesagt haben, die Nachfolge des Syrienvermittlers Kofi Anan anzutreten. Allerdings wolle er noch mit dem UN-Sekretariat über Einzelheiten seines Mandats spreche, hieß es am Donnerstagabend (Ortszeit). Annan hatte seine Funktion aus Enttäuschung über das Ausbleiben von Fortschritten zum Ende dieses Monats niedergelegt.

Rund 2200 Syrer fliehen vor Kämpfen in die Türkei

Nach einem blutigen Luftangriff auf die nordsyrische Rebellenhochburg Asas sind rund 2200 Syrer am Donnerstag in die Türkei geflohen. Auch ein abtrünniger syrischer General sei unter den Flüchtlingen, sagte ein türkischer Diplomat der Nachrichtenagentur AFP. Ein syrischer Kampfflugzeug hatte am Mittwoch mehrere Raketen auf einen Stützpunkt der Rebellen in einem dicht besiedelten Stadtteil von Asas abgefeuert und dabei mindestens zehn Häuser zerstört.

Mit der neusten Flüchtlingsgruppe stieg die Gesamtzahl syrischer Flüchtlinge in der Türkei auf mehr als 62.000. Bereits in den vergangenen zwei Wochen war der Flüchtlingsstrom aus Syrien dramatisch angewachsen. Auslöser waren Kämpfe zwischen Regierungskräften und Aufständischen um Syriens zweitgrößte Stadt Aleppo. Die Türkei ist international einer der schärfsten Kritiker der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und wird von mehreren Rebellengruppen als Rückzugsort genutzt.

Nach türkischen Angaben haben mehrere syrische Generäle die Seiten gewechselt. Einige davon sind demnach nach Syrien zurückgekehrt, um den Kampf gegen Assad zu unterstützen. Die genaue Zahl übergelaufener Generäle in den Flüchtlingscamps wurde nicht genannt.