Syrien

Offensive in Aleppo – Beginn der „Entscheidungsschlacht“

Mit Militärjets und Panzern startet das syrische Militär eine Offensive in der Millionenstadt Aleppo. Mindestens zwölf Menschen starben.

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In der syrischen Millionenmetropole Aleppo haben die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad eine neue und möglicherweise entscheidende Großoffensive gestartet. „Die Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen“, sagte Aufständischen-Kommandeur Abu Omar al-Halebi am Mittwoch.

Mindestens zwölf Menschen starben binnen weniger Stunden. Die Regimetruppen hatten in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Soldaten vor Aleppo zusammengezogen, zusätzliche Artilleriewaffen in Stellung gebracht und rückten mit Kampfflugzeugen und Panzern vor.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz schwerer Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte in ihrem jüngsten Bericht Satellitenbilder aus der nordsyrischen Metropole, die 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen. Amnesty werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl, der die Satellitenbilder auswertete. „So können die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

„Die Bodenoffensive hat begonnen”

Rami Abdel Rahman von den syrischen Menschenrechtsbeobachtern sagte: „Die Bodenoffensive hat begonnen und das Regime attackiert den Bezirk Salaheddin aus vier Richtungen.“ Der Stadtteil ist das südwestliche Eingangstor zu den von den Rebellen kontrollierten Gebieten. Die Kämpfe um Aleppo, Syriens Geschäfts- und Handelsmetropole, dauern seit fast drei Wochen an. Bislang konnten eher die Aufständischen Gebietsgewinne verbuchen. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatten die Rebellen vier Angriffe des syrischen Militärs auf den Bezirk Salaheddin abgewehrt, wie es hieß.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe den Angriff begonnen, um die „Terroristen“ zu vernichten, die die Einwohner von Aleppo einschüchterten. Nach Angaben von Aktivisten in Aleppo prasselten Granaten wie Regen auf Gebiete unter der Kontrolle der Aufständischen. „Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt“, sagte ein syrischer Aktivist der dpa.

Der UN-Sicherheitsrat soll sich Ende des Monats erneut in einer Sondersitzung mit der Eskalation der Lage in Syrien befassen. Als Termin für das Treffen auf Ebene der Außenminister nannte die französische Regierung am Mittwoch den 30. August.

Russland weist Gerüchte über Tötung eines Generals zurück

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau wies Angaben syrischer Rebellen, sie hätten einen russischen General getötet, als „offene Lüge“ zurück. Generalmajor Wladimir Kuschejew sei zwar in Syrien gewesen, aber mittlerweile nach Moskau zurückgekehrt.

Wie zum Beweis traf sich Kuschejew der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch im Verteidigungsministerium mit russischen Journalisten. „Ich bestätige, dass ich lebe und gesund bin“, sagte Kuschejew. Russland ist Syriens wichtigster Waffenlieferant und hat zusammen mit China bislang jede Resolution des Weltsicherheitsrats gegen das Assad-Regime verhindert.

Auch Revolutionsgarden unter den entführten Iranern

Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi räumte ein, dass einige der in Syrien entführten Iraner pensionierte Revolutionsgarden seien. „Auf der Liste der Pilger waren auch pensionierte Beamte aus verschiedenen Ministerien, darunter auch der Revolutionsgarden und der Armee“, sagte Salehi der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Der Iran hatte zunächst vehement dementiert, dass die Pilger Revolutionsgarden seien. Salehi appellierte an die Entführer, ihre Gefangenen, die Muslime seien wie sie, mit Blick auf den heiligen Fastenmonat Ramadan freizulassen.

Eine islamistische Rebellen-Brigade hatte die 48-köpfige Gruppe am vergangenen Wochenende in Damaskus entführt. Die Aufständischen unterstellen ihren Geiseln, Agenten der iranischen Revolutionsgarden zu sein, die sich zu einer „Kundschaftermission“ in Syrien aufgehalten hätten. Teheran – engster Verbündeter des bedrängten Assad-Regimes – bestreitet dies vehement.

Die Regierung in Amman bestätigte indes offiziell, dass sich Assads geflohener Ex-Ministerpräsident Riad Hidschab in Jordanien aufhält. In einer spektakulären Aktion hatte sich Hidschab vor wenigen Tagen ins Ausland abgesetzt und den Aufständischen angeschlossen.