Syrien

Assad-Armee überrennt Vorstadt von Damaskus

Seit vor rund einer Woche die Kämpfe in Syrien auch Damaskus erfasst haben, scheint Assad mehr und mehr die Kontrolle zu verlieren.

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Syrische Regierungstruppen haben nach Angaben der Opposition am Samstagmorgen die Vorstadt Schaba bei Damaskus überrannt. Dem Angriff sei schwerer Artilleriebeschuss vorausgegangen, bei dem mindestens ein Zivilist getötet und Dutzende weitere verletzt worden seien, berichteten syrische Exil-Aktivisten. Das Militär soll bei seinem Vorgehen auch von regimetreuen Milizen unterstützt worden sein. Die Oppositionellen befürchteten nach der Einnahme des Ortes willkürliche Erschießungen. Schaba ist wie etliche andere Siedlungen im Umland der syrischen Hauptstadt eine Protesthochburg.

Vor rund einer Woche hatten die Kämpfe zwischen Regimegegnern und Regierungstreuen auch die Hauptstadt Damaskus erfasst. Seither scheint die syrische Staatsmacht mehr und mehr die Kontrolle zu verlieren. Bei einem Bombenattentat auf den nationalen Krisenstab, zu dem sich die Freischärler der Freien Syrischen Armee bekannten, waren am Mittwoch vier der engsten Vertrauten von Machthaber Baschar al-Assad tödlich verletzt worden.

Wieder Gefechte in Aleppo

In der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo haben sich syrische Soldaten unterdessen den zweiten Tag in Folge Gefechte mit Rebellen geliefert. Augenzeugen erklärten, die Kämpfe in der Nacht mit Maschinengewehren gehörten zu den bisher schwersten in der nordsyrischen Stadt. Zahlreiche Rebellen der Freien Syrischen Armee hielten sich in Aleppo auf. Die Kämpfe seien hauptsächlich auf den Stadtteil Salaheddine im Zentrum beschränkt. Viele Bewohner seien in sicherere Gebiete geflohen.

In Aleppo hatte sich der Widerstand gegen Präsident Baschar al-Assad erst in den vergangenen Monaten gebildet. Dort war es nach Beginn der Revolte im März 2011 lange Zeit ruhig geblieben. Inzwischen gilt die Universität von Aleppo als Zentrum der Widerstandsbewegung der Stadt.

Muslimbrüder erklären Annan-Plan für gescheitert

Die syrische Muslimbruderschaft hat den Friedensplan von UN-Sondervermittler Kofi Annan für gescheitert erklärt. Der Annan-Plan habe das Sterben von Zivilisten nicht verhindern können und dem Regime von Präsident Baschar al-Assad nur Zeit verschafft, sagte Gaysa Ulabi, einer der führenden Köpfe, am Samstag der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Dort hatte sich die sunnitische Muslimbruderschaft zu einer dreitägigen Konferenz getroffen. Der im März vorgelegte Sechs-Punkte-Plan des früheren UN-Generalsekretärs sah unter anderem eine Waffenruhe und den Rückzug der syrischen Truppen aus den städtischen Kampfzonen vor. Doch das Töten ging weiter.