Bombenanschlag

Attentäter in Bulgarien verkleidete sich als Tourist

Attentat in Burgas: Der mutmaßliche Täter hatte einen gefälschten US-Pass dabei. Auf Bildern einer Videokamera wirkt er wie ein Tourist..

Der Bombenanschlag auf israelische Touristen in Bulgarien ist offiziellen Angaben zufolge wohl von einem Selbstmordattentäter verübt worden. Die Behörden hätten eine Person als Selbstmordattentäter identifiziert, die einen gefälschten amerikanischen Führerschein bei sich gehabt habe, sagte der bulgarische Innenminister Tswetan Tswetanow.

Bei der Tat auf dem Flughafen von Burgas am Schwarzen Meer waren am Mittwoch sieben Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Israel nimmt nun den Iran immer schärfer ins Visier. Izchak Aharonowitsch, Minister für Innere Sicherheit, sagte, es bestehe "kein Zweifel" daran, dass der Iran hinter der Tat stehe. Man werde mit den Verantwortlichen "die Rechnung begleichen", sagte er laut der israelischen Nachrichtenseite ynet.

Aus Teheran kam hingegen ein scharfes Dementi. Im iranischen Staatsfernsehen hieß es, die Vorwürfe Israels seien lächerlich und nur darauf bedacht, Stimmung gegen den Iran zu machen. Auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Organisation im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Bei dem Anschlag seien insgesamt fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman. Nach seiner Darstellung hat Israel "zuverlässige Informationen" über die Drahtzieher der blutigen Tat. "(Die libanesische) Hisbollah steht hinter dem Anschlag, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Revolutionsgarden", sagte Lieberman dem Rundfunk. Beweise hatte die Regierung bis zum Donnerstag nicht öffentlich gemacht.

Gefälschter US-Ausweis

Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren am Mittwoch kurz vor dem Selbstmordanschlag auf dem Flughafen des beliebten Touristenortes gelandet. Sicherheitskameras hätten einen langhaarigen Mann in Sportkleidung aufgenommen, der sich vor der Explosion etwa eine Stunde lang am Ort des Anschlags aufgehalten habe, berichtete die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite.

Seine Leiche habe schlimmste Verletzungen aufgewiesen. Er habe gefälschte US-Ausweise bei sich gehabt. Die bulgarischen Behörden gingen daher davon aus, dass es sich bei dem Mann um den Selbstmordattentäter handelte.

Bei der Explosion wurden auch 37 Menschen verletzt, davon drei lebensgefährlich. Die Schwerverletzten wurden zunächst in einem Militärflugzeug in ein Krankenhaus in der etwa 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Sofia gebracht. Ein israelisches Militärflugzeug flog am Donnerstag von Burgas mit mehr als 30 verletzten Israelis an Bord in Richtung Heimat, wie die Armee mitteilte.

Auch der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dem Rundfunk, für den Anschlag seien Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz verantwortlich. Den Auftrag hätten sie von Israels Erzfeind Iran erhalten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte "entsetzt und bestürzt" auf die Nachrichten aus Burgas. "Ich verurteile den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien auf das Schärfste. Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Westerwelle in Berlin.

Auch Israels Verbündeter USA verurteilte den Anschlag. Präsident Barack Obama sprach Netanjahu am Telefon sein Beileid aus. Zugleich sagte Regierungssprecher Jay Carney, Obama habe den "abscheulichen Angriff, der unschuldige Israelis und Bulgaren getötet und verletzt hat", scharf verurteilt.

Die Nato verurteilte den Terroranschlag ebenfalls. "Terrorismus in all seinen Formen kann niemals hingenommen oder gerechtfertigt werden", erklärte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Zuvor hatte bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Tat verdammt: "Ich bin zutiefst schockiert über die Szenen am Flughafen von Burgas".

In Israel wurden derweil auch Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen des beliebten Touristenorts im Südosten Bulgariens laut. In den vergangenen Monaten habe es dort schon mehrere Anschlagversuche gegeben.