17 Jahre danach

Mehr als 500 Massaker-Opfer von Srebrenica beigesetzt

Zum Jahrestag des Massakers von Srebrenica sind rund 7000 Menschen zur Gedenkstätte ins nahegelegene Potocari gepilgert.

Tausende Menschen sind am Mittwochmorgen nach Srebrenica gezogen, um an das Massaker in der bosnischen Stadt vor 17 Jahren zu gedenken. Nach Angaben der Organisatoren werden insgesamt 30.000 Menschen zu der Gedenkveranstaltung erwartet. Bereits am Vorabend waren 7000 Menschen zur Gedenkstätte ins nahegelegene Potocari gepilgert. Dort sollen am Mittwoch 520 im vergangenen Jahr identifizierte Opfer beigesetzt werden. Auf dem Friedhof der Gedenkstätte liegen bisher 5137 Tote begraben, deren Identität zweifelsfrei geklärt werden konnte.

„Ich spüre Schmerz, unendlichen Schmerz“, sagte Sevdija Halilovic, deren Vater am Mittwoch in Potocari beigesetzt werden sollte. „Jedes Jahr, wenn sich der 11. Juli nähert, wird der Schmerz unerträglich.“ Rund 8000 muslimische Jungen und Männer wurden im Juli 1995 bei der Einnahme von Srebrenica durch bosnisch-serbische Truppen gefangengenommen und anschließend systematisch getötet. Es war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Derzeit muss sich vor dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica verantworten.

Obama gegen Versuche zur Leugnung

US-Präsident Barack Obama hat am Jahrestag des Massakers von Srebrenica Bestrebungen verurteilt, den Völkermord im Osten Bosniens vom Juli 1995 zu leugnen. „Die Vereinigten Staaten stellen sich jedem Versuch entgegen, das Ausmaß dieses Verbrechens zu verzerren, es zu rechtfertigen, die Opfer zu verleumden oder die unbestreitbare Tatsache zu leugnen, dass es sich bei diesem Verbrechen um einen Genozid handelt“, erklärte Obama am Mittwoch, dem 17. Jahrestag des Massakers.

In der von der US-Botschaft in Sarajevo verbreiteten Erklärung gedachte der US-Präsident der „Männer und Jungen, die in Srebrenica brutal getötet wurden“. Anfang Juni hatte der neue serbische Präsident, der Nationalist Tomislav Nikolic, in einem Interview erklärt, das Massaker von Srebrenica sei seiner Ansicht nach kein Völkermord gewesen.

Erdogan vergleicht Konflikt in Syrien mit Srebrenica

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Gewalt in Syrien unterdessen mit dem Massaker von Srebrenica verglichen. In einer Rede vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP am Jahrestag des Srebrenica-Massakers von 1995 sagte Erdogan am Mittwoch, jene, die damals tatenlos zugeschaut hätten, seien auf lange Zeit mit einem schwarzen Flecken gezeichnet. „Derselbe Fleck“ werde jenen anhaften, die heute bei der Gewalt in Syrien nur zuschauten.

Die Türkei fordert seit langem ein stärkeres Einschreiten der internationalen Gemeinschaft gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Erdogan will kommende Woche bei einer außerplanmäßigen Reise nach Moskau mit der russischen Regierung über den Konflikt in Syrien reden. Vorgesehen ist laut Presseberichten ein Gespräch mit seinem Kollegen Dmitri Medwedew; auch ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin ist angedacht. Russland gehört zu den wichtigsten Partnern Assads. Dagegen unterstützt die Türkei die Opposition gegen Assad.

In der Türkei ging unterdessen die Debatte über den Abschuss des türkischen Militärjets durch Syrien am 22. Juni weiter. Nachdem sich zu Wochenbeginn die Hinweise verdichtet hatten, dass der Jet doch nicht im internationalen Luftraum getroffen wurde, sondern im syrischen Luftraum, bekräftigte Erdogan am Mittwoch, der Jet sei außerhalb syrischer Gewässer angegriffen worden. Nach Presseberichten prüfen die türkischen Streitkräfte derzeit, ob die Maschine möglicherweise von einem syrischen Schiff aus beschossen wurde.