Run auf die Banken

Nach Griechenland-Wahl droht das Chaos

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Der deutsch-griechischen Politiker Chatzimarkakis schließt nicht aus, dass viele Griechen nach der Wahl ihre Konten leer räumen werden.

Die Wahl in Griechenland könnte nach Auffassung des deutsch-griechischen FDP-Politikers Jorgo Chatzimarkakis schon am Sonntag zum Chaos führen. Wenn der linksradikale Alexis Tsipras in Hochrechnungen vorne liegt, „ist eine Panikreaktion vieler Menschen nicht auszuschließen: Leider könnten sie zu den Schaltern rennen und Geld abheben“, sagte der EU-Abgeordnete im Interview. „Zwar sind die Banken mit ausreichend Geld ausgestattet. Aber es wäre des Klügste, die Geräte abzuschalten.“

Dabei sieht Chatzimarkakis keine akute Gefahr für einen Euro-Austritt Athens. „Davon sind wir weit entfernt! Tsipras wird verhandeln, Anpassungen fordern, aber sein Land nicht aus dem Euro katapultieren. Die geballte Faust bleibt. Aber am Ende wird sich auch ein Herr Tsipras beugen.“ Denn die große Mehrheit der Griechen sei für den Verbleib in der Gemeinschaftswährung, und wolle auch die Bedingungen der Europartner erfüllen. Und keine Regierung werde gegen das Volk handeln.

Europäer zweiter Klasse

Allerdings habe die Eurogruppe mit ihrem Spanien-Hilfspakt vom letzten Wochenende die Hellenen gegen sich aufgebracht. Denn Madrid muss weit weniger harte Bedingungen erfüllen für die 100 Milliarden Euro an Notkrediten. „In Athen fühlt man sich nun als Europäer zweiter Klasse, als Versuchskaninchen, an dem ein Exempel statuiert werden sollte, wie weit man gehen kann“, sagt Chatzimarkakis, der noch vor einer Woche zu politischen Gesprächen in Athen war.

Wichtigstes Ergebnis am Sonntag wäre für den EU-Volksvertreter, dass eine stabile Regierung gebildet werden kann. „Wer auch immer die Wahl gewinnt: Er muss eine Erklärung abgeben, dass er eine stabile Regierung anstrebt. Die Europäer haben mehr Angst vor weiterem Chaos als vor einer klaren Option.“ Wenn Tsipras sage, er werde Gespräche führen mit Antonis Samaras von der konservativen Neuen Demokratie oder Evangelos Venizelos von der sozialistischen Pasok, werde das die Märkte beruhigen. Und eine breite Regierung könne auch mit breiter Brust mit Brüssel verhandeln. Eine Streckung der Rückzahlungsfristen hält der FDP-Politiker für angemessen.

Damit Griechenland unter einer neuen Regierung seine Zusagen endlich einhält, müsste die EU die griechischen Beamten aus Brüssel nach Athen schicken, fordert Chatzimarkakis in dem Interview: „Deutsche, französische oder niederländische Beamte in Griechenland, das hat nicht funktioniert, weil dort eine andere Kultur herrscht. In Brüssel sind 2.800 griechische Beamte bei den EU-Institutionen. Von ihnen müssen Spitzenkräfte an die neuralgischen Stellen der Verwaltung platziert werden. Sonst bleibt es schwer.“ Denn zu dem politischen Theater komme noch die „unfähige griechische VeVerwaltung“. Und die brauche Hilfe, aber von griechischsprachigen oder -stämmigen Fachleuten.

( dapd/nbo )