Atomstreit

Iran will weitere Atomkraftwerke bauen

Nur wenige Tage nach dem Atomgipfel in Bagdad, ungeachtet des internationalen Drucks, plant Teheran den Bau zwei weiterer Kernkraftwerke.

Foto: ParsPix

Der Iran plan nach offiziellen Angaben den Bau von mindestens zwei neuen Atomkraftwerken. Die beiden 1.000-Megawatt-Anlagen befänden sich bereits in einem frühen Planungsstadium, zitierte das staatliche Fernsehen am Sonntag den Leiter des iranischen Atomprogramms, Fereidun Abbasi. Mit dem Bau werde möglicherweise in einem oder zwei Jahren begonnen. Sie sollten in der Nähe Teheran sieht nach Angaben von Atomprogramm-Chef Fereidun Abbassi Dawani auch keinen Grund, die umstrittene Anreicherung von Uran auf 20 Prozent aufzugeben und Kontrollen in der Militäranlage in Parschin zuzulassen.

In Buschehr war im Herbst 2011 nach jahrzehntelanger Bauzeit das erste iranische Atomkraftwerk in Betrieb gegangen. Seine volle Leistung von tausend Megawatt wird es nach Angaben von Dawani aber erst im November erreichen. Der Bau war vor der iranischen Revolution 1979 von Deutschland unterstützt worden. 1995 hatte Russland die Arbeiten fortgesetzt und liefert auch den notwendigen Brennstoff. Ob Russland auch am Bau des neuen Kraftwerks beteiligt ist, sagte Dawani nicht.

Keinen Grund, die Anreicherung zu stoppe

Mehrere westliche Regierungen verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an einer Atombombe zu arbeiten. Teheran weist dies zurück. Erst vor wenigen Tagen hatte der Iran in Bagdad mit den UN-Vetomächten und Deutschland über sein Atomprogramm beraten. Bei dem Treffen wurde lediglich vereinbart, Mitte Juni zu weiteren Verhandlungen in Moskau zusammenzukommen.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Urananreicherung. Der Westen versucht den Iran davon abzubringen, Uran auf 20 Prozent anzureichern. Für den Betrieb von Atomkraftwerken ist nur ein Anreicherungsgrad von drei bis fünf Prozent nötig. In den Atomanlagen von Fordo und Natans reichert Teheran das Uran aber auf bis zu 20 Prozent an, um es als Brennstoff für seinen Forschungsreaktor in Teheran zu nutzen. Es wird befürchtet, dass der Iran dort später auch waffenfähiges Uran mit einem Anreicherungsgrad von 90 Prozent produzieren könnte.

Atomprogramm-Chef Dawani sagte der Zeitung „Korrassan“, dass Teheran „keinen Grund“ sehe, die Anreicherung auf 20 Prozent zu stoppen. Der Iran produziere nur soviel angereichertes Uran, wie er für den Forschungsreaktor benötige.

Iran spielte die Enthüllung herunter

Am Freitag hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mitgeteilt, dass in Proben aus Fordo auch Spuren von auf 27 Prozent angereichertem Uran gefunden wurden. Der höhere Anreicherungsgrad könnte nach Einschätzung von Experten allerdings auch auf einen technischen Defekt zurückzuführen sein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den Iran jedoch auf, sich im Atomstreit weiter um „internationales Vertrauen“ zu bemühen.

Der Iran spielte die Enthüllung herunter. IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh sagte der Nachrichtenagentur Irna, der höhere Anreicherungsgrad sei eine „normale technische Frage“ und könne auch in jedem anderen Land vorkommen.

Wie Atomprogramm-Chef Dawani sagte, ist Teheran „noch nicht überzeugt“, warum es Kontrollen der IAEA in der Militäranlage in Parschin zulassen sollte, die bei der Behörde als möglicher Standort für Atomexperimente gilt. Es handele sich nicht um eine Atomanlage, sondern um einen „Militärkomplex“, sagte er der Nachrichtenagentur Isna.