Gewalt in Syrien

Assad-Armee nimmt offenbar Wohngegenden unter Beschuss

Bombenexplosion in Damaskus, Wohngegnden unter Beschuss: Nachdem Massaker im Dorf Hula geht auch am Sonntag die Gewalt in Syrien weiter.

Foto: DAPD

Syrische Regierungstruppen haben nach Angaben von Aktivisten am Sonntag mehrere Wohngegenden im Zentrum des Landes unter Beschuss genommen. Davon betroffen seien Teile der Stadt Hama und die von Rebellen gehaltene Ortschaft Rastan, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees und das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit. Beide Aktivistengruppen meldeten am Sonntag zudem Gefechte zwischen Regierungssoldaten und Rebellen in Hama und Harasta, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus. Auch in Midan, einem Bezirk von Damaskus, habe es Kämpfe gegeben.

Unterdessen kamen bei einer Bombenexplosion in Damaskus laut Aktivisten mehrere Menschen ums Leben. Die Bombe habe ein Sicherheitsfahrzeug im gehobenem Stadtteil Masse erfasst, teilten das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees am Sonntag mit. Wie die Koordinationskomitees mitteilten, ereignete sich die Explosion nahe einem Militärflughafen in der Gegend. Auf einem Video, das von Aktivisten ins Internet gestellt wurde, war offenbar dichter schwarzer Rauch über Masse zu sehen.

Damaskus gilt als eng kontrolliert von Truppen des syrischen Regimes. Bei Bombenexplosionen in der Stadt kamen in den vergangenen Monaten Dutzende Menschen ums Leben. Die meisten Anschläge galten Einrichtungen der syrischen Sicherheitsbehörden.

Damaskus macht Regimegegner verantwortlich

Die syrische Führung hat jegliche Verantwortung für das Massaker in der Stadt Hula zurückgewiesen. „Wir weisen die Verantwortung für dieses terroristische Massaker gegen unser Volk vollständig zurück“, sagte ein Sprecher des syrischen Außenamts am Sonntag in der Hauptstadt Damaskus.

Der Sprecher des Außenministeriums kündigte für Montag einen neuen Besuch des Syrien-Sondergesandten von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Kofi Annan, in Damaskus an. Der Friedensnobelpreisträger und frühere UN-Generalsekretär solle dort mit ranghohen Regierungsvertretern zusammenkommen. Syrien strebe eine „Rückkehr zum Dialog und an den Verhandlungstisch“ an, sagte der Sprecher. Annan hatte am Freitag mitgeteilt, eine neue Einladung nach Syrien zu prüfen.

Es sei ein Komitee entsandt worden, um die Angelegenheit zu untersuchen, sagte Makdissi weiter. Ergebnisse würden innerhalb der nächsten drei Tage erwartet. Er fügte hinzu, dass der UN-Sondergesandte Kofi Annan am Montag in Syrien erwartet werde.

Der Angriff in Hula galt als eines der blutigsten Ereignisse seit Beginn des Aufstands in Syrien vor 15 Monaten. UN-Beobachter zählten bei ihrem Eintreffen in Hula mehr als 92 Tote, darunter mindestens 32 Kinder unter zehn Jahren. Laut Aktivisten griffen am Freitag zunächst Regierungstruppen die Ansammlung von Ortschaften nordwestlich der belagerten Stadt Homs an, dann stürmten regierungstreue Kriminelle die Ortschaften, überfielen Häuser und töteten Zivilisten.

Weltweite Empörung nach Massaker

Das Massaker hat in der internationalen Gemeinschaft Entsetzen ausgelöst und die Rufe nach einem Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad verstärkt. „Die Internationale Gemeinschaft muss mit einer Stimme sprechen und ein Ende des Blutvergießens fordern“, schrieb die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in einer am Sonntag in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Gemeinsam müsse Assad zum Abgang gedrängt werden, um eine „demokratische Wende“ zu ermöglichen.

Bereits am Samstag machte sich weltweite Empörung Luft. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan verurteilten in einer gemeinsamen Stellungnahme am UN-Sitz in New York das „schreckliche und brutale Verbrechen“ scharf. Annan wird an diesem Miontag erneut in Damaskus erwartet. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte in einer Erklärung die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und „seine Spießgesellen“ zu erhöhen. „Deren Herrschaft durch Mord und Angst muss ein Ende haben“, forderte Clinton.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verlangte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. „Es ist schockierend und empörend, dass das syrische Regime seine brutale Gewalt gegen das eigene Volk nicht einstellt“, hieß es in seiner Erklärung. UNICEF-Sprecherin Sarah Crowe erklärte: „Dieses empörende Verbrechen gegen kleine Kinder, die nichts mit diesen Kämpfen zu tun haben, unterstreicht die erneute Dringlichkeit, eine Lösung für diesen Konflikt zu finden.“

In der syrischen Hauptstadt Damaskus waren am Sonntagmorgen mehrere Explosionen zu hören. Bei einem Bombenanschlag auf ein Fahrzeug der Sicherheitskräfte seien mehrere Insassen verletzt worden, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. In mehreren Gebieten am Rand von Damaskus sei es zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Rebellen gekommen. Aktivisten in Syrien berichteten darüber hinaus von heftigem Gewehrfeuer im Umkreis der Kontrollpunkte des Ortes Kanaker bei Damaskus.

In Syrien unterdrückt das Assad-Regime seit fast 15 Monaten mit brutaler Gewalt eine anfangs friedliche Protestbewegung, die inzwischen stellenweise in einen bewaffneten Aufstand umgeschlagen ist.