China

Bürgerrechtler Chen in die USA ausgereist

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Der blinde Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist aus Peking abgeflogen und befindet sich mit seiner Familie auf dem Weg in die USA.

Die US-Regierung hat die Ausreise des blinden Bürgerrechtlers Chen Guangcheng aus China bestätigt. Er sei auf dem Weg in die Vereinigten Staaten, teilte das US-Außenministerium am Sonnabend mit.

Die USA und China hatten sich im April ein tagelanges Tauziehen um die Ausreise Chens und seiner Familie geliefert, der vorübergehend in die US-Botschaft in Peking geflohen war.

Der 40-Jährige hatte der Nachrichtenagentur AFP am Sonnabend telefonisch gesagt, dass er sich mit seiner Familie bereits am internationalen Flughafen von Peking befinde. Dort sollten sie auch ihre Reisepässe erhalten. „Ich habe (noch) keinen Pass und weiß nicht, wann ich ausfliege“, sagte Chen. „Ich glaube, ich fliege nach New York“, ergänzte er.

Zahlreiche Polizisten und Beamte des Außenministeriums waren am Airport präsent. Ein Vertreter der US-Botschaft wollte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu äußern: „Ich kann noch nichts sagen.“ Die USA hatten aber bereits zugesagt, Chen Guangcheng, seiner Frau und beiden Kindern sofort ein Visum auszustellen, sobald sie ihre Reisepässe hätten.

Die Ausreise kommt überraschend. Chen Guangcheng hatte so schnell nicht damit gerechnet, wie Freunde berichteten.

Die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe ChinaAid berichtete, Behördenvertreter hätten Chen Guangcheng im Pekinger Chaoyang Krankenhaus besucht und aufgefordert, die Sachen zu packen und sich darauf vorzubereiten, in die USA auszureisen. Wohin sie ausfliegen sollen, war nicht bekannt.

Der Bürgerrechtler hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen den Zorn der Behörden auf sich gezogen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 hatten die örtlichen Behörden ihn in der östlichen Provinz Shandong unter Hausarrest gestellt. Am 22. April floh er jedoch mit Hilfe von Unterstützern aus dem 19-monatigen Hausarrest und fand vorübergehend Zuflucht in der US-Botschaft in Peking.

Sein Fall sorgte für eine diplomatische Krise zwischen Washington und Peking. Nach langwierigen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden verließ der 40-Jährige am 2. Mai die diplomatische Vertretung wieder und wurde in eine Klinik gebracht, wo er wegen einer Verletzung behandelt wurde. Chen wurde zugesagt, mit seiner Familie vereint zu werden. Aus Angst um seine Sicherheit entschied er sich dann doch für die Ausreise.

( dapd/mim )

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