Griechenland

Athen - letzter Versuch zur Regierungsbildung gescheitert

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Morgenpost.de

Nach dem Scheitern der Regierungsbildung steht Griechenland vor Neuwahlen. Die Börsen reagierten mit kräftigen Kursverlusten.

Im krisengeschüttelten Griechenland ist am Dienstag auch der letzte Versuch zur Regierungsbildung gescheitert. Als Folge ist die Bevölkerung des hoch verschuldeten Euro-Landes zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Bis dahin wird Griechenland von einer Übergangsregierung geführt, die nach Angaben des Präsidialamtes am Mittwoch eingesetzt werden soll.

Das Land müsse Neuwahlen abhalten, sagte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Pasok, Evangelos Venizelos, am Dienstag nach Konsultationen bei Staatspräsident Karolos Papoulias. Dieser hatte zuvor als letzten Ausweg zur Auflösung der politischen Blockade in Athen ein Kabinett aus Experten vorgeschlagen.

Es wird befürchtet, dass aus den Neuwahlen die Gegner der Sparauflagen von EU und IWF noch stärker hervorgehen könnten. denn Umfragen deuten darauf hin, dass nun das Linksbündnis Syriza zur stärksten Kraft werden und damit 50 Sitze zusätzlich im Parlament erringen könnte. Damit wachsen die Sorgen, dass das Land auf dem direkten Weg in den Bankrott ist und die Euro-Zone verlässt.

An diesem Mittwoch (12 Uhr MESZ) sei eine Sitzung zu den Formalitäten für die Bildung einer Interimsregierung geplant, hieß es nach einem Krisentreffen mit Staatspräsident Karolos Papoulias am Dienstag in Athen. Dann soll auch der genaue Wahltermin mitgeteilt werden. In Griechenland war zuletzt am 6. Mai 2012 gewählt worden. Aus dieser Parlamentswahl war die konservative Nea Dimokratia als stärkste Kraft hervorgegangen, gefolgt von der linksradikalen Syriza-Partei, die eine Aufkündigung der Vereinbarungen mit der internationalen Gläubigergemeinschaft zur Überwindung der griechischen Schuldenkrise fordert.

Als wahrscheinliches Datum für die Neuwahlen gilt der 17. Juni 2012.

Der Kurs des Euro ist am Dienstag nach ersten Meldungen über Neuwahlen im schwer angeschlagenen Euroland Griechenland kräftig abgerutscht. Mit der Bestätigung von Neuwahlen durch einen Sprecher des Griechenlands Präsidenten Karolos Papoulias fiel die Gemeinschaftswährung im Nachmittagshandel unter die Marke von 1,28 US-Dollar auf 1,2769 Dollar. Damit erreichte der Euro den tiefsten Stand seit Mitte Januar.

Der Dax ist am Dienstagnachmittag auf den tiefsten Stand seit Ende Januar abgerutscht. Als Grund für den Verlust von zuletzt 1,41 Prozent auf 6361,30 Punkte nannten Börsianer Griechenland. Der griechische Aktienindex fiel um 5,2 Prozent. Der EuroStoxx50 verlor 1,2 Prozent. Auch die Vorzeichen für den US-Handelsstart drehten auf Rot. „Die Meldung, dass jetzt wirklich Neuwahlen kommen werden, hat hier erst einmal alle aufgescheucht“, sagte ein Händler. „So sehr das auch erwartet war, der erste Schreck sitzt tief.“

( dpa/dapd/AFP/sei )

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