Regierungsbildung

Radikaler Linker hat Schicksal Griechenlands in der Hand

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Foto: AFP

Alexis Tsipras von der linksradikalen Syriza-Partei will Athen vom "Spardiktat" befreien. Für die Regierungsbildung hat er drei Tage Zeit.

Er ist gerade einmal 37 Jahre jung, selbst im eigenen Land kannte ihn vor wenigen Jahren kaum jemand. Doch seit Dienstag hält Alexis Tsipras – zumindest vorübergehend – das Schicksal Griechenlands in seiner Hand.

Der Chef der linksradikalen Syriza-Partei erhielt von Präsident Karolos Papoulias den Auftrag zur Regierungsbildung. Und Tsipras nahm mit einem klaren Ziel an. Er will eine Linksregierung gegen das „barbarische Spardiktat“ der internationalen Geldgeber.

Sollte Tsipras wirklich eine Koalition auf die Beine stellen und diese anführen, wäre er der jüngste Regierungschef in der Geschichte Griechenlands.

Allerdings verfügt der 37-Jährige offenbar über genug realistische Selbsteinschätzung, um nicht selbst Ministerpräsident werden zu wollen. Vielmehr gingen Beobachter davon aus, dass er einem der erfahrenen politischen Schwergewichte aus einer der anderen linken Parteien den Vortritt lassen würde.

Voraussetzung dafür ist aber erst einmal eine Koalition, deren Bildung schwer werden dürfte. Nach seinem Treffen mit Präsident Papoulias, bei dem er zu Fuß und ganz entgegen den Gepflogenheiten ohne Krawatte aufkreuzte, sprach Tsipras von einem „historischen Moment“.

Er schloss zudem kategorisch eine Zusammenarbeit mit Parteien aus, die den von außen vorgegebenen Sparkurs unterstützen.

Stattdessen will der 37-Jährige ein Bündnis aus linken Parteien schmieden, die wie seine Syriza das Land „vom Vertrag unseres Bankrotts“ befreien wollten. Damit meint er die internationalen Sparvorgaben, zu denen sich Athen im Gegenzug für Kredite verpflichten musste und die für die Bevölkerung harte Einschnitte bedeuteten.

Sparmaßnahmen sollen weg

Für viele Griechen und auch für Tsipras haben die Maßnahmen das Elend nur noch verschlimmert. „Wir sind fest überzeugt, dass die Rettung unseres Landes nur durch die Zurückweisung barbarischer Maßnahmen gelingen kann“, sagte er nach der Wahl und forderte ein Ende der „Plünderung“ von Löhnen und Renten.

Genau wegen solcher Sprüche haben die Griechen dem 37-Jährigen, der als Jugendlicher bei den Kommunisten aktiv war, am Sonntag bei den Parlamentswahlen die Stimme gegeben.

Während sie die großen Volksparteien für ihre Sparpolitik abstraften und ihnen eine Mehrheit im Parlament verweigerten, wählten sie die Gegner des Spardiktats. Auf überraschende 16,5 Prozent der Stimmen kam dabei die Syriza – ein kometenhafter Aufstieg nach gerade einmal 4,6 Prozent bei den Wahlen vor drei Jahren.

Damit kam Syriza auf den zweiten Platz und Tsipras stand bei der Frage der Regierungsbildung an zweiter Stelle.

Und nachdem Antonis Samaras, dessen Konservative bei der Wahl auf dem ersten Platz gelandet waren, am Montag den Auftrag schon nach wenigen Stunden entnervt zurückgab, ist nun der 37-Jährige am Zug.

Drei Tage hat er Zeit, seinen persönlichen Traum wahr werden zu lassen – und damit den Albtraum vieler Regierungen in Europa.

( AFP/mim )

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