Terror-Netzwerk

USA vereiteln al-Qaida-Anschlag auf Passagierflugzeug

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Geheimdienste haben einen Terrorakt zum Todestag Osama bin Ladens verhindert. Geplant war der Anschlag offenbar mit einer Unterhosenbombe.

Die US-Geheimdienste haben um den ersten Jahrestag der Tötung von al-Qaida-Chef Osama bin Laden einen Anschlag auf ein Passagierflugzeug vereitelt. Bei dem durch den al-Qaida-Ableger im Jemen geplanten Terrorakt habe ein Selbstmordattentäter einen mitgeführten Sprengsatz in einer Maschine auf dem Weg in die USA zünden sollen, erklärten US-Sicherheitsvertreter am Montag. Das Vorhaben wurde demnach aber in einer frühen Phase vereitelt: Die CIA schritt ein, bevor der mutmaßliche Selbstmordattentäter ein Ziel ausgewählt und ein Ticket gekauft habe, sagten Gewährsleute.

Die US-Behörden konnten nach eigenen Angaben den Sprengsatz sicherstellen. Wo und unter welchen Bedingungen dies geschah, blieb zunächst offen. Laut dem Weißen Haus stellte der Sprengsatz „keine Gefahr für die Öffentlichkeit“ dar, da die Pläne frühzeitig aufgedeckt wurden.

Im Vorfeld des ersten Jahrestages der Tötung bin Ladens hatte es Befürchtungen gegeben, das Terrornetzwerk al-Qaida könne dieses Datum für Racheakte nutzen. Bin Laden war am 2. Mai 2011 durch eine US-Kommandoeinheit in Pakistan getötet worden.

Die Bombe sei zwar zeitnah zum Jahrestag des Todes bin Ladens sichergestellt worden, jedoch gebe es keine Hinweise, dass das Komplott damit in Zusammenhang stehe, schrieb die „New York Times“ unter Berufung auf US-Beamte. In anderen US-Berichten wurde jedoch ein zeitlicher Zusammenhang ausgemacht. Bin Laden war vor einem Jahr in seinem pakistanischen Versteck von US-Elitesoldaten getötet worden.

FBI: eine verbesserte Unterhosenbombe

Die US-Bundespolizei FBI teilte mit, sie untersuche den sichergestellten Sprengsatz. Er scheine ein verbessertes Modell der Bombe zu sein, mit der an Weihnachten 2009 ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit in die Luft gesprengt werden sollte. Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab hatte damals in seiner Unterhose eine Bombe an Bord eines Fluges geschmuggelt. Die Zündung schlug aber fehl. Abdulmutallab soll Verbindungen zu al-Qaida im Jemen gehabt haben.

Es gebe deutliche Unterschiede zu dem Sprengsatz von 2009, sagte ein US-Beamter, der für den Anti-Terror-Kampf zuständig ist. Es habe sich um eine „nicht-metallische Vorrichtung“ gehandelt, um offenbar eine Entdeckung bei Sicherheitschecks am Flughafen zu verhindern. Dies zeige, dass die vor allem vom Jemen aus operierende al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) versuche, ihre „Methoden, ihre Taktik“ anzupassen, sagte der Beamte.

Unklar ist, wer die Bombe gebaut hat. Doch aufgrund ihrer Raffinesse vermuteten Anti-Terror-Experten den Saudiaraber Ibrahim Hassan al-Asiri oder einen seiner Protegés hinter der Konstruktion. Al-Asiri hatte die erste in einer Unterhose versteckte Bombe sowie zwei weitere Sprengsätze, die in Paketen in die USA geschickt werden sollten, entwickelt.

Das Auffinden des Sprengsatzes sei ein weiteres Beispiel für herausragende internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus, sagte ein US-Beamter dem Sender CBS. Die US-Behörden wollen jetzt prüfen, ob der Sprengsatz durch die Sicherheitsschleusen am Flughafen gebracht hätte werden können.

US-Präsident Barack Obama sei im April über den Fall unterrichtet worden, teilte die stellvertretende Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, mit. Er habe die Sicherheitsdienste danach angewiesen, „alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um sich gegen diese Art von Anschlägen zu wappnen“.

US-Verteidigungsminister Panetta: „Wachsam bleiben“

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, die USA müssten angesichts der Bedrohung durch al-Qaida „wachsam“ bleiben. Das Heimatschutzministerium erklärte, die Anschlagspläne zeigten „das Interesse unserer Gegner, die Luftfahrtbranche ins Visier zu nehmen“. Die US-Regierung werde darauf weiter auf mehreren Ebenen reagieren. Dabei gehe es unter anderem um die Analyse von Anschlagsgefahren, die Überprüfung von Passagieren und Passagierdaten, Stichproben-Untersuchungen an Flughäfen und die Begleitung von Linienflügen durch Sicherheitsbeamte.

Der für Anti-Terrorkampf zuständige US-Beamte sagte, trotz des vereitelten Anschlags bleibe der al-Qaida-Ableger auf der arabischen Halbinsel „sehr entschlossen und einfallsreich“. Nach US-Einschätzung hat die Organisation mehr als 1000 Mitglieder im Jemen und Verbindungen zur al-Qaida-Führung in Pakistan. Al-Qaida-Kämpfer im Jemen hätten im Kampf gegen die dortige Armee zuletzt Bodengewinne erzielt haben.

Damit bestehe die Gefahr einer Stärkung von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel. „Diese territorialen Gewinne haben es der Gruppe erlaubt, zusätzliche Training-Camps einzurichten“, sagte er mit Blick auf die Ausbildung von Attentätern.

( AFP/dpa/Reuters/bee )

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