Guantanamo

Chaotischer Prozessauftakt zu Anschlägen vom 11. September

Sie haben während der Verhadlung gebetet und geschriene: Der Prozess um die Terroranschläge vom 11. September gestaltet sich schwierig.

Mehr als zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York sowie das Pentagon in Washington hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher sowie maßgebliche Helfer begonnen. Chalid Scheich Mohammed und vier weitere Angeklagte verweigerten am Sonnabend vor einem Militärgericht auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba jegliche Aussage. Ihnen werden unter anderem Mord in 2.976 Fällen, Terrorismus und Flugzeugentführung vorgeworfen.

Zum Auftakt der Verhandlung in Camp Justice spielten sich zeitweise chaotische Szenen ab, da die Angeklagten den Richter mit Missachtung straften, ihre Kopfhörer ablegten und beteten. Einer von ihnen, Ramsi Binalschibh, hielt eine Tirade auf einen der Gefängnismitarbeiter und verglich diesen mit dem früheren libyschen Machthaber Muammar Gaddafi. Zudem sagte Binalschibh, er sei in Gefahr: „Vielleicht töten sie mich, und sagen dann, dass ich Selbstmord begangenen hätte.“

Neunstündiger Gerichtstermin

Neben dem 47-jährigen Pakistaner Khalid Scheikh Mohammed, der als Chefplaner des Al-Qaida-Anführers Osama bin Ladens galt, müssen sich der Saudiaraber Mustafa Ahmad Al-Hawsawi, Mohammeds Neffe Ali abd Al-Aziz Ali sowie die Jemeniten Ramzi Binalshibh und Walid bin Attash für eine Verwicklung in die Anschläge verantworten. Der neunstündige Gerichtstermin am Sonnabend war das erste Mal seit mehr als drei Jahren, dass die Inhaftierten in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

Die fünf Beschuldigten erschienen vor Gericht in weißer Kleidung, zum Teil trugen sie Turbane. Sheikh Mohammed hatte seinen langen Bart offenbar mit Henna gefärbt. Binalshibh ergriff als einziger das Wort, um Vorwürfe gegen das Gericht zu erheben. „Ihr werdet uns töten und anschließend sagen, wir hätten uns das Leben genommen“, sagte Binalshibh zum Richter James Pohl.

Bis zur Hauptverhandlung können Monate vergehen

Bei den Anschlägen mit gekaperten Passagierflugzeugen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington starben 2976 Menschen. Die fünf Männer waren zwischen 2002 und 2003 festgenommen und anschließend in geheimen CIA-Gefängnissen und in Guantanamo inhaftiert worden. Mohammed gestand in Haft seine Beteiligung an den Anschlägen von 11. September, doch seine Aussagen wurden vermutlich unter Folter erzwungen.

Das Verfahren gegen die Männer hatte unter US-Präsident George W. Bush begonnen. Dessen Nachfolger Barack Obama stoppte es wegen rechtsstaatlicher Bedenken gegen die Militärprozesse in Guantanamo, scheiterte jedoch mit seinem Vorhaben, den Angeklagten vor einem Bundesgericht in Manhattan den Prozess machen zu lassen. Vor gut einem Jahr erlaubte Obama dann neue Militärprozesse in Guantanamo. Bis zum Beginn der Hauptverhandlung könnten noch Monate vergehen, die nächste Sitzung des Gerichts soll zwischen dem 12. und 15. Juni stattfinden.