Warlord

Tribunal erklärt Ex-Diktator Charles Taylor für schuldig

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Der früherer Präsident Liberias war einer der brutalsten Kriegstreiber Afrikas. Jetzt verliest das UN-Sondertribunal sein Urteil.

Liberias Ex-Präsident Charles Taylor ist am Donnerstag als erstes Staatsoberhaupt seit den Nürnberger Prozessen von einem internationalen Tribunal der Kriegsverbrechen mitschuldig befunden worden. Er musste sich als einer der Hauptverantwortlichen für Gräueltaten während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone (1991-2002) verantworten, denen nach Schätzungen mehr als 120 000 Menschen zum Opfer fielen.

Das Gericht sei zweifelsfrei zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte „strafrechtlich verantwortlich ist für Hilfe und Begünstigung“ bei schweren Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten, erklärte Richter Richard Lussick aus Samoa. Taylor habe „wesentlichen Einfluss“ auf die blutrünstigen Rebellen im Nachbarland gehabt. Allerdings habe er sie im Gegensatz zu den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft nicht vollständig kontrolliert.

Naomi Campbell und Mia Farrow sagten aus

Die Anklage hatte Taylor vorgeworfen, als Präsident Liberias die äußerst brutale Rebellentruppe „Revolutionäre Vereinigte Front“ (RUF) in Sierra Leone ausgehalten und kontrolliert zu haben. Für Waffenlieferungen an die Rebellen, die tausenden Zivilisten Gliedmaßen abhackten, ließ er sich mit geraubten Edelsteinen bezahlen, sogenannten Blutdiamanten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Taylor solche Edelsteine für umfangreiche Hilfeleistungen erhalten hat.

Das Strafmaß muss der in Leidschendam unweit von Den Haag tätige Sondergerichtshof für Sierra Leone noch festlegen. Taylor droht lebenslange Haft. In dem Kriegsverbrecher-Prozess, der im Juni 2007 begann und unter anderem durch Zeugenaussagen des britischen Models Naomi Campbell sowie der US-Schauspielerin Mia Farrow Aufsehen erregte, war Taylor in insgesamt elf Punkten angeklagt. Er hat stets alle Vorwürfe zurückgewiesen und sich als Opfer einer internationalen Intrige dargestellt.

Das Sondergericht für Sierra Leone

Das Sondergericht für Sierra Leone wurde von der Regierung des westafrikanischen Landes und den Vereinten Nationen (UN) aufgebaut. Es geht auf einen Beschluss des UN-Sicherheitsrates von August 2000 zurück. Das Gericht soll über die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Gräueltaten während des Bürgerkrieges urteilen.

Dabei geht es um die Zeit nach Ende November 1996, als ein Friedensabkommen zustande kam, das aber nie umgesetzt wurde, bis zum offiziellen Ende des Krieges im Januar 2002. Sitz des Gerichts ist Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone. Finanziert wird es von mehr als 40 Staaten und den UN.

Von den ursprünglich 13 Angeklagten hat das Gericht in Freetown mittlerweile acht wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Drei der Beschuldigten starben, der Tod eines vierten ist bis heute nicht bestätigt. Gegen den Hauptangeklagten Charles Taylor, den früheren Präsidenten des Nachbarlandes Liberia, wurde seit Juni 2007 aus Sicherheitsgründen auf dem Gelände des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag verhandelt.

( dapd/dpa/nbo )