Präsidentschaftswahl

Nach empfindlicher Schlappe verschärft Sarkozy Rechtskurs

Nicolas Sarkozy trotzt den Unkenrufen. Noch gibt sich Frankreichs Präsident im Rennen um die Wiederwahl nicht geschlagen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach dieser alten Devise Sepp Herbergers versucht das Lager des noch amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy der Erkenntnis zu begegnen, dass die erste Runde der französischen Präsidentenwahl nicht optimal verlaufen ist. „Morgen sind wir wieder unterwegs“ rief der Präsident seinen betrübten Anhängern am Sonntagabend zu. Am Montag absolvierte er bereits den nächsten Wahlkampfauftritt in Tours, am Dienstag in Longjumeau im Département Essonne unweit von Paris. Mit einer „beschleunigten Kampagne“ „morgens, mittags und abends“, so hoffen seine Berater, will der Präsident eine Niederlage gegen François Hollande noch abwenden.

Sarkozy hatte gehofft, seinen in den Umfragen von Beginn des Wahlkampfes an in Führung liegenden sozialistischen Herausforderer in der ersten Runde noch auf der Zielgeraden abfangen zu können. Das „Momentum“ dieses Sieges wollte er mit in die verbleibenden zwölf Wahlkampftage nehmen. Eine „neue Dynamik“ erhofften seine Strategen. Doch das gelang nicht. Nach dem vorläufigen Endergebnis liegt Hollande mit 28,63 Prozent knapp anderthalb Prozentpunkte vor Sarkozy, der auf 27,18 Prozent kam. „Ich bin in der besten Position, um der nächste Präsident der Republik“ zu werden, verkündete ein siegesgewisser François Hollande denn auch am Sonntagabend vor einigen hundert jubelnden Anhängern.

Taktische Herausforderung

Gedämpfter war die Stimmung hingegen auf der Wahlparty der Regierungspartei UMP in der Maison de la Mutualité in Paris. Das Wahlergebnis stellt die Konservativen vor eine erhebliche taktische Herausforderung. Um noch eine Chance zu haben, Hollande zu besiegen, braucht Sarkozy im zweiten Wahlgang sowohl die Stimmen der Wähler Marine Le Pens, die 17,9 Prozent der Stimmen bekam, als auch die des Zentrumspolitikers François Bayrou, der 9,13 Prozent erreichte.

Sarkozys kurze Ansprache vor seinen Parteifreunden in der Maison de Mutualité am Sonntagabend deutet darauf hin, dass er seine Strategie, vor allem die Wähler des Front National zu umwerben, vor der Stichwahl nicht in Frage stellen wird: „Es gibt Sorgen, Leiden und Ängste vor dieser neuen Welt, die im Begriff ist, sich abzuzeichnen. Diese Ängste und Leiden kenne ich. Ich verstehe sie. Sie drehen sich um die Grenze, die Abwanderungen von Unternehmen, die Einwanderung, den Wert von Arbeit und Sicherheit“, sagte Sarkozy, der „alle Franzosen, denen die Liebe zum Vaterland wichtiger ist, als parteiische Erwägungen“ aufforderte, sich ihm anzuschließen.

Vorschlag für kommunales Ausländerwahlrecht

Sarkozys Plan für die kommenden zwölf Tage besteht offenbar unter anderem darin, François Hollandes Vorschlag anzugreifen, das kommunale Ausländerwahlrecht einzuführen. Den Wählern des Zentrumspolitikers François Bayrou scheint er hingegen kaum Zugeständnisse machen zu wollen. Er wandte sich ihnen allerdings insofern zu, als er alle, „die die Flucht nach vorn in ungezügelte öffentlich Ausgaben ablehnen“, aufforderte, ihm ihre Stimme zu geben.

Umfrageinstitute prophezeien Sarkozy in der zweiten Runde eine Niederlage. Die Zahl, der Zentrums- und der Front National-Wähler, die zu Sarkozy überlaufen werden, sei zu gering. Dieses Zaudern ist auch bei den beiden Parteiführern erkennbar. François Bayrou ließ vermelden, vor der Fernsehdebatte zwischen den beiden verbliebenen Kandidaten am 2. Mai, werde er keine Wahlempfehlung aussprechen. Marine Le Pen machte ebenfalls keinerlei Anstalten, Sarkozy zu unterstützen.

Die ausgeschiedenen linken Kandidaten riefen unterdessen zumindest dazu auf, am 6. Mai „Sarkozy abzuwählen“, oder stellten sich direkt hinter Hollande. Der sieht deshalb auch wenig Gründe seine Strategie zu modifizieren und lehnte auch Sarkozys Forderung, gleich „drei Debatten“ im Fernsehen auszutragen, dankend ab. „Warum nicht gleich vier oder fünf?“ spottete Hollande. „Nur weil es mal schlecht läuft, ändert man ja nicht gleich die Regeln“, sagte der nach dem höchsten Staatsamt strebende Hollande. Es sei gute „republikanische Tradition“, dass es zwischen den beiden Wahlkämpfen nur eine Debatte gäbe. Sarkozy erinnere ihn an einen schlechten Schüler, der sein Examen verhauen habe, und nun im Nachhinein die Regeln ändern wolle.

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