Frankreich-Wahl

Herausforderer François Hollande punktet gegen Sarkozy

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Der Sozialist François Hollande hat den ersten Wahlgang gewonnen. Jetzt muss die Stichwahl entscheiden, wer Frankreichs Präsident wird.

Im Duell um das Präsidenten-Amt in Frankreich treten in zwei Wochen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein Herausforderer François Hollande gegeneinander an. Im ersten Wahlgang am Sonntag holte der Sozialist Hollande nach Hochrechnungen 28,4 bis 29,3 Prozent. Er lag damit wie erwartet vor dem Konservativen Sarkozy, der auf 25,5 bis 27 Prozent kam.

Für die große Überraschung des Wahlabends sorgten die Rechtsextremen. Front-National-Chefin Marine Le Pen holte bis zu 20 Prozent der Stimmen. Nie zuvor schnitt die von ihrem Vater gegründete Partei bei einer Präsidentenwahl besser ab.

Der 57-jährige Hollande, langjähriger Parteichef der Sozialistischen Partei (PS), und Amtsinhaber Sarkozy müssen nun bis zum Duell am Sonntag in zwei Wochen versuchen, die Anhänger der acht unterlegenen Kandidaten auf ihre Seite zu bringen. Der Kandidat der Linksfront, Jean-Luc Mélenchon, und die Grünen-Kandidatin Eva Joly riefen bereits zur Unterstützung Hollandes auf.

Sollte sich Hollande bei der Stichwahl am 6. Mai durchsetzen, wäre er der zweite sozialistische Präsident Frankreichs nach François Mitterrand. Dieser schied vor 17 Jahren aus dem Amt. Sarkozys Parteifreund Jacques Chirac gewann damals die Wahl.

Hollande: „Am 6. Mai will ich einen Sieg, einen schönen Sieg“

Hollande ließ sich am Abend in Tulle (Zentralfrankreich) von seinen Anhängern feiern. „Am 6. Mai will ich einen Sieg, einen schönen Sieg“, sagte er bei einem kurzen umjubelten Auftritt. Das Wahlergebnis sei die Strafe für die Politik Sarkozys. Europa müsse eine neue Orientierung hin zu Wachstum und Arbeitsplatzbeschaffung gegeben werden.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel beglückwünschte den Kandidaten der Sozialisten. „Hollandes Erfolg zeigt: Ein soziales, gerechtes Europa ist möglich.“

Sarkozy schlug am Abend vor, mit Hollande in drei TV-Debatten über den zukünftigen politischen Kurs des Landes zu diskutieren. Dabei solle es um wirtschaftliche, soziale und internationale Frage gehen. Hollande will jedoch nur ein TV-Duell. „Wir können mit Zuversicht in die zweite Runde gehen“, rief Sarkozy seinen Anhängern zu. Außenminister Alain Juppé kommentierte: „Es ist nichts entschieden.“

Die Front-National-Vorsitzende Le Pen will sich erst am 1. Mai zu einer möglichen Wahlempfehlung äußern. „Die Schlacht um Frankreich hat erst begonnen, nichts wird mehr so sein wie vorher. Das ist erst der Anfang“, rief sie ihren Anhängern zu.

Das bislang beste Resultat der Front National bei einer Präsidentenwahl hatte 2002 der heute 83-Jährige Jean-Marie Le Pen geholt. Zum Entsetzen der übrigen Parteien reichte das Ergebnis von 16,9 Prozent damals sogar für den Einzug in die Stichwahl. Dort unterlag Le Pen allerdings haushoch dem damaligen Amtsinhaber Jacques Chirac.

Mélenchon will Hollande unterstützen

Der Kandidat der Linksfront, Mélenchon, begründete seine Unterstützung für Hollande mit den Worten: „Es geht darum, die Tendenz umzudrehen, die in Europa alle Völker unter dem Joch der Achse Sarkozy-Merkel unterdrückt.“ Der den Kommunisten nahestehende Politiker kam nach den Hochrechnungen auf 10,6 Prozent der Stimmen.

Als Kernprojekte in Hollandes Wahlprogramm gelten eine umfassende Reform des Steuersystems und Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Beschäftigung. So sollen Besserverdiener und Unternehmen stärker belastet werden und 60 000 neue Jobs an Schulen geschaffen werden.

Sarkozys Lager kritisierte die Wahlversprechen Hollandes als Gefahr für den Wirtschaftsstandort Frankreich. Das Land kämpft mit riesigen Staatsschulden und verlor im Januar bei seiner Kreditwürdigkeit die Topnote „AAA“ der Ratingagentur Standard & Poor's.

Der in einem Popularitätstief steckende Sarkozy trat im Wahlkampf als Kandidat eines „starken Frankreichs“ an – mit den Zielen, das Budgetdefizit zu reduzieren, die Ausländerpolitik zu verschärfen und den Verwaltungsapparat auszudünnen. Sollte Sarkozy die Stichwahl nicht gegen Hollande gewinnen, wäre er der erste französische Präsident seit Valéry Giscard d'Estaing 1981, der als Amtsinhaber vor einem zweiten Mandat abgewählt wird.

Wahlbeteiligung bei um die 80 Prozent

Die Wahlbeteiligung in der erste Runde lag nach Schätzungen bei um die 80 Prozent und damit nur knapp unter der vor fünf Jahren, als mit knapp 84 Prozent überdurchschnittlich viele Franzosen zur Urne gegangen waren.

Insgesamt hatten sich zehn Kandidaten für das höchste Staatsamt beworben. Die meisten versuchten sich dabei entweder als Verteidiger des französischen Sozialmodells, als protektionistische Patrioten oder als energische Kämpfer gegen die Einwanderung zu profilieren.

Das traditionell konservative Elsass an der Grenze zu Deutschland blieb seinem Ruf treu: Amtsinhaber Sarkozy schaffte nach Hochrechnungen lokaler Medien mit 34 Prozent die Spitzenposition, gefolgt von der rechtsextremen Kandidatin Le Pen mit 24 Prozent. Der Sozialist Hollande kam mit rund 16 Prozent auf Platz drei.

( dpa/bee )