Wahl in Frankreich

Hohe Beteiligung bringt Sarkozy in Bedrängnis

Eine überraschend hohe Wahlbeteiligung in Frankreich kommt Herausforderer Hollande zugute. Sarkozy bleibt bei seiner Stimmabgabe schweigsam.

Foto: AFP

Mit überraschend hoher Beteiligung sind die Menschen am Sonntag in Frankreich zur Präsidentschaftswahl geströmt. In der ersten Runde mussten sie zunächst aus zehn Kandidaten die beiden Teilnehmer für die Stichwahl in zwei Wochen bestimmen. Letzte Umfragen hatten einen knappen Vorsprung des Sozialisten François Hollande vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy vorausgesagt.

„Diese Wahl hat Gewicht für die Zukunft Europas“, sagte Hollande nach seiner Stimmabgabe in einem Büro im zentralfranzösischen Tulle. „Es geht nicht nur um einen Wettstreit der Persönlichkeiten, die Menschen wollen wissen, welche Politik folgen wird“, sagte Hollande, der den Sparkurs Sarkozys lockern und Reformen zurücknehmen will. „Ich muss meinem Land neuen Lebensatem geben und ein neues Bekenntnis für Europa abgeben.“

Sarkozy wählte in dem bürgerlichen 16. Arrondissement von Paris, ohne einen Kommentar abzugeben. Der Konservative erschien zusammen mit seiner Frau Carla Bruni. Sarkozy lag in letzten Umfragen sowohl für den ersten Wahlgang als auch für die Stichwahl am 6. Mai hinter Hollande.

Abstimmung über Zukunft Frankreichs

Sowohl Hollande als auch Sarkozy haben die Wahl zur Volksabstimmung über die Zukunft Frankreichs erklärt. Der Sozialist will den Sparkurs des Amtsinhabers abmildern, seine Rentenreform zum Teil zurücknehmen und mit Investitionen für mehr Wachstum sorgen. Er will bei seiner Wahl auch das Spardiktat aus Berlin durch neue Konjunkturmaßnahmen ergänzen. Sarkozy warnte in seinen letzten Wahlkampfauftritten eindringlich, bei einem Sieg Hollandes werde das Land von den Märkten abgestraft.

Die sich abzeichnende hohe Beteiligung könnte darauf zurückzuführen sein: Bis zum Mittag hatten 28,29 Prozent der rund gut 44 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben: Das waren zwar zwei Punkte weniger als 2007, aber sieben Punkte mehr als 2002. „Mit Blick auf die Probleme Spaniens haben die Franzosen offenbar erkannt, dass die Wahl für die Zukunft ihres eigenen Landes eine größere Rolle spielt“, sagte der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Paris, Norbert Wagner.

Nutznießer einer hohen Mobilisation in diesem Jahr könnte aber auch Hollande sein. In dessen Stammland, dem südwestlichen Departement Gers, lag die Beteiligung am Mittag bei knapp 40 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Das war der bislang höchste Wert für die Region.

Spannendes Rennen um Rang drei

Mit Spannung wurde auch das Rennen um Platz drei erwartet: Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National und Jean-Luc Mélenchon von der radikalen Linksfront kamen in den letzten Meinungsumfragen beide auf rund 14 Prozent.

Der Zentrumspolitiker François Bayrou konnte auf rund 10 Prozent der Stimmen hoffen. 2002 hatte Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen – auch wegen einer extrem geringen Beteiligung – den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin aus dem Rennen geworfen.

Wer in den kommenden fünf Jahren im Élysée-Palast regiert, wird bei der Stichwahl am 6. Mai entschieden. Allerdings geht der Gewinner der ersten Runde als hoher Favorit in das Duell.

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