Nordkorea

Umstrittener Raketenstart wird für Kim Jong-un zur Blamage

Rückschlag für Nordkoreas neue Führung: Der groß angekündigte und international kritisierte Raketenstart endet mit einer Bruchlandung.

Mit dem Fehlstart einer Langstreckenrakete erlebt Nordkoreas neuer Machthaber ein Desaster vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ungewöhnlich offen räumte die kommunistische Regierung am Freitag den Fehlschlag ein. Mit dem Start hätte eigentlich der 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung gefeiert werden sollen. Bereits nach wenigen Minuten und gerade einmal rund 100 Kilometern explodierte die Rakete und stürzte westlich der Halbinsel ins Meer. Der japanische Verteidigungsminister Naoki Tanaka sagte, ein fliegendes Objekt sei nach etwas mehr als einer Minute in der Luft wieder abgestürzt. Japanisches Gebiet sei dabei aber nicht getroffen worden. Tokio hatte angekündigt, die Rakete abzuschießen, falls sie über japanisches Territorium fliegen sollte. Der Süden befürchtete, dass die Regierung in Pjöngjang nun mit weiteren Atom-Tests ihre militärische Stärke unter Beweis stellen will. Die Außenminister der G8-Staaten verurteilten den Start als Bruch einer UN-Sicherheitsratsresolution.

Im nordkoreanischen Staatsfernsehen hieß es, Experten würden nach der Absturzursache suchen. Das Eingeständnis kommt unerwartet, weil die staatlich kontrollierten Medien die einzige Informationsquelle für die 23 Millionen Nordkoreaner sind. Einen ähnlich gescheiterten Versuch, bei dem die Rakete aber wenigstens 3800 Kilometer weit flog, hatte die Führung 2009 noch als Erfolg verkauft.

Heftige internationale Kritik

Der international heftig kritisierte Startversuch verletzt die Bestimmungen eines Hilfsabkommens mit den USA und Beschlüsse der Vereinten Nationen. „Trotz des Scheiterns bedroht Nordkoreas provokatives Handeln die regionale Sicherheit, verletzt internationales Recht und steht im Widerspruch zu seinen jüngsten Zusicherungen“, kritisierte ein US-Regierungssprecher. Der Verbündete China rief alle Beteiligten zur Ruhe auf. Aus Kreisen des Außenministeriums in Moskau verlautete, Russland werte den Versuch als Bruch einer UN-Resolution, die dem Einsatz von Raketentechnologie Grenzen setzt. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rechnete mit verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und forderte eine deutliche Antwort des Sicherheitsrates. Die G8-Außenminister riefen den Rat auf, angemessen zu reagieren.

Scheitern eines prestigeträchtigen Projektes

Nach nordkoreanischen Angaben sollte die Unha-3 einen Wettersatelliten ins All bringen. Nachbarstaaten und die USA vermuteten aber einen militärischen Test für eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch Alaska erreichen könnte. Durch neuerliche Sanktionen, wie sie Japan bereits angekündigt hat, könnte sich Nordkorea zur einer Reaktion wie einem Atomtest oder einem Angriff auf den Süden herausgefordert fühlen. Der Norden werde abwarten, wie die USA und Südkorea reagieren und einen Nuklear-Test vorbereiten, sagte Chung Young Chul von der Universität Sogang.

Das Scheitern eines derart prestigeträchtigen Projektes könnte innerhalb der Führung des weitgehend isolierten Landes aber auch zu einer Gegen-Reaktion führen und Zweifel an den Fähigkeiten des neuen Staatschefs Kim Jong-un wecken. „Das ist die erste Krise des neuen Staatschefs, der gerade erst ins Amt gekommen ist“, sagte Lee Jong-won von der Waseda Universität in Tokyo. „Es ist unvermeidlich, dass sie den Schuldigen finden wollen. Ich frage mich, wie jene behandelt werden, die sich für die Rakete besonders starkgemacht haben.“

Vetomacht Russland lehnt neue Sanktionen gegen Nordkorea ab (Mit Bild)

Die UN-Vetomacht Russland hat den nordkoreanischen Raketenstart „bedauert“, zugleich aber Zwangsmaßnahmen gegen das stalinistisch geführte Nachbarland abgelehnt. Der Weltsicherheitsrat müsse eine „ausgewogene“ Entscheidung treffen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag in Moskau. „Wir glauben nicht an neue Sanktionen. Sie tragen nicht dazu bei, die Situation zu lösen“, sagte Lawrow auf einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus China und Indien. Das Ziel müsse weiterhin sein, im Streit um Nordkoreas Atomprogramm die internationalen Verhandlungen unter Beteiligung der USA wieder aufzunehmen.

Der chinesische Außenminister Yang Jiechi rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es dürften keine Schritte unternommen werden, die die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel gefährdeten. Die internationale Gemeinschaft müsse gemeinsam für Frieden und Stabilität in der Region sorgen. China ist der engste Verbündete Nordkoreas.

Bei der geplanten Sitzung des Weltsicherheitsrats am Freitag wird es aller Voraussicht nach zu einer formellen Verurteilung Nordkoreas kommen, hieß es in New York. Das mächtigste UN-Gremium hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In Resolutionen des Rats war Nordkorea aufgerufen worden, jegliche Raketenstarts „unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie“ zu unterlassen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisiert Raketenstart Nordkoreas

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Raketenstart Nordkoreas als Bedrohung für die Stabilität der Region kritisiert. „Der Start ist eine direkte Verletzung der Resolution 1874 des UN-Sicherheitsrates“, teilte der UN-Generalsekretär am Freitag in Genf mit. Mit dieser Resolution vom Juni 2009 hatte der Sicherheitsrat einen nordkoreanischen Atomwaffenversuch scharf verurteilt und verlangt, keine weiteren Raketentests durchzuführen.

Ban Ki Moon forderte Nordkorea auf, die Spannungen in der Region nicht durch weitere provozierende Aktionen zu erhöhen. Stattdessen müsse die Regierung Nordkoreas an der Vertrauensbildung zu den Nachbarstaaten arbeiten und die Lebensqualität der Menschen im Land verbessern.

Der gescheiterte Raketenstart dürfte nach Ansicht von Beobachtern ein ernster Gesichtsverlust für Nordkorea bedeuten. Nach einem angeblichen Satellitenstart vor drei Jahren hatte Nordkorea noch einen Erfolg vermeldet. Andere Länder hatten auch damals von einem Fehlschlag gesprochen.