Aufstand gegen Assad

Syriens Opposition soll Medien gezielt manipulieren

Während die internationale Gemeinschaft um eine Lösung in Syrien ringt, wachsen die Zweifel an der Opposition. Auch sie verletzt Menschenrechte.

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Kofi Annan ist als hartnäckiger Verhandlungspartner für schier endlose Geduld bekannt. Als Vermittler im Syrien-Konflikt werden diese Eigenschaften des ehemaligen UN-Generalsekretärs erneut auf die Probe gestellt. Denn im Grunde genommen ist es eine „unmögliche Mission“, die Akteure eines Konflikts, der nach über einem Jahr mittlerweile 8000 Tote gefordert hat, zu einem Kompromiss zu bewegen.

Am Wochenende verhandelte Annan nun mit Russland. Ein treuer Verbündeter Syriens, der zudem Assads größter Waffenlieferant ist. Präsident Dmitri Medwedjew zeigte sich begeistert vom Sechs-Punkte-Plan des Friedensgesandten Annan.

Er beinhaltet unter anderem einen sofortigen Waffenstillstand zwischen allen beteiligten Parteien, den Abzug schwerer Waffen aus Wohngebieten und den Zugang humanitärer Hilfe. Problematisch hält der Kreml allerdings ein Ende der Gewalt, „so lange die syrische Opposition von außen militärisch und politisch unterstützt wird“.

Obama – Keine "Waffenhilfe" an die Opposition

In Korea versicherten US-Präsident Barack Obama und der türkische Premierminister Tayyip Erdogan unterdessen, man werde keine „Waffenhilfe“ an die Opposition liefern. Gleichzeitig dränge die Pflicht, eine Lösung für den Konflikt in Syrien zu finden.

Im Gegensatz zu Libyen, bei dem mehr oder weniger sofort eine militärische Intervention zur Debatte stand, versucht man in Syrien mit Verhandlungen eine Lösung anzustreben. Und eine weitere Sache soll in Syrien anders laufen: Man will nicht blind auf die Annahme vertrauen, die Opposition verfolge ausnahmslos hehre Ziele.

Zumindest werfen vier Autobombenanschläge in Syrien innerhalb der vergangenen drei Monate Fragen über die Drahtzieher auf. „Sie tragen alle die Erkennungszeichen von al-Qaida“, sagt James Clapper, der Direktor des Nationalen Geheimdienstes der USA.

Eine Beteiligung des islamistischen Terrornetzwerks an der Rebellion gegen Assad – das hört die syrische Opposition nicht gerne. Sie beschuldigen stattdessen das Regime, die Anschläge selbst inszeniert zu haben.

Opposition nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau

Die Opposition will militärische Unterstützung und das so schnell wie möglich. Man will Assad, ähnlich wie Muammar al-Gaddafi in Libyen, mit Waffengewalt aus dem Präsidentenpalast treiben.

Mit der Wahrheit nimmt es die Opposition dabei nicht so genau. Omar Schakir, einer der Hauptorganisatoren des Rebellenmedienzentrums von Homs, das die syrische Armee im Februar zerstört und dabei zwei Journalisten getötet hatte, gab zu, dass man Informationen bewusst „ausgewählt“ habe: So viel Material wie möglich vom Elend der Zivilbevölkerung an die Medien und so wenig wie möglich von den Kampfaktivitäten der Rebellen. „Manchmal muss man einige Nachrichten zurückhalten“, so Schakir.

Ein Teil dieser unterdrückten Nachrichten dringt langsam trotzdem durch. So klagt die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch in einem öffentlichen Brief die Opposition „ernsthafter und weit verbreiteter Menschenrechtsverletzungen“ an.

Die Rede ist von Folter, Entführung und Exekutionen, deren Opfer nicht nur Vertreter des Regimes, sondern auch Zivilisten seien. Vorwürfe, die so gar nicht zum positiven Image selbstloser „Freiheitskämpfer“ passen wollen, das nicht zuletzt Medien wie al-Dschasira bereitwillig kolportieren.

"Medien vergessen, kritische Fragen zu stellen"

„Der Großteil der Medien nimmt Partei für die Rebellen, klagt ausnahmslos die syrische Regierung an und vergisst, kritische Fragen zu stellen“, sagt Patrick Sookhdeo. Er ist Internationaler Direktor des Barnabas Funds, einer christlichen Hilfsorganisation, die sich weltweit um verfolgte Christen kümmert. Der Fonds war einer der ersten, der Menschenrechtsverletzungen bekannt machte.

„Aus Syrien kommen schlechte Nachrichten“, erklärt Sookhdeo und liest aus der E-Mail eines Erzbischofs, dessen Namen er aus Sicherheitsgründen nicht nennen will. „Bewaffnete Männer zerstörten unser Waisenhaus, die Kirche und Gräber. Sie patrouillieren auf den Straßen, auf die sich niemand wegen der Massaker wagt. 60 Häuser von Christen wurden in Homs total ausgeraubt und verwüstet.“

Der Erzbischof spreche hier von Rebellen, klärt der Barnabas-Direktor unmissverständlich auf. 200 Tote habe es in Homs unter den Christen gegeben. „Nur sehr wenige starben durch Granatenbeschuss der Armee.“ Der überwiegende Teil ginge auf das Konto der Rebellen. „Ich habe die Liste der Toten“, versichert Sookhdeo. „Einer wurde aus Rache umgebracht, weil er ein Auto mit Regierungsnummernschild fuhr.“

Die christliche Bevölkerung gilt als Unterstützer von Präsident Assad. „Wobei die offizielle Position der Kirche neutral ist“, fügt Sookhdeo an. Assad garantiere den Christen freie Religionsausübung und platziere ihre Vertreter in Regierung und Verwaltung.

Christen als menschliche Schutzschilde benutzt

„In Homs verschanzten sich Rebellen in christlichen Vierteln, da sie als sicher galten“, sagt Sookhdeo. Die Christen seien als menschliche Schutzschilde benutzt worden. „Eine Flucht von Christen aus Homs haben die Rebellen verhindert.“

Von den insgesamt zwei Millionen syrischen Christen dürften mittlerweile einige Hunderttausende das Land verlassen haben. Mittlerweile hat sich auch der Vatikan eingeschaltet. Die hauseigene Nachrichtenagentur Fides zitiert eine Quelle aus dem syrischen Aleppo, die die Verfolger als Rebellen beschreibt: „Islamistische und terroristische Bewegungen sind auf dem Vormarsch.“

In einigen von den Rebellen kontrollierten Stadtteilen in Syrien soll bereits die schwarze Flagge der al-Qaida gehisst worden sein.