Abrüstungsoffensive

Obamas schwieriger Kampf gegen atomare Bedrohung

Die USA wollen anderen Ländern bei der Entsorgung von waffenfähigem Uran helfen, damit es nicht in die Hände von Terroristen gerät. Doch einige Staaten lehnen das Angebot ab.

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US-Präsident Barack Obama macht im Kampf gegen die Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung von Atomwaffen ernst. Im April 2009 hatte er es zum Ziel erklärt, weltweit das gesamte waffenfähige radioaktive Material zu sichern. Damit soll vor allem verhindert werden, dass entsprechende Substanzen in die Hände von Terroristen gelangen.

Seit der Rede des Präsidenten vor drei Jahren haben die USA nach Angaben aus Washington fünf Ländern dabei geholfen, hochangereichertes Material komplett zu entsorgen.

Als Partner hätten die Vereinigten Staaten unter anderen Rumänien, Libyen, Türkei, Chile und Serbien zur Seite gestanden, sagte Anne Harrington von der US-Behörde für Nuklearsicherheit NNSA. „Anliegen Nummer eins, vor allen anderen Dingen, ist es, das Material nicht in die Hände von Terroristen gelangen zu lassen“, sagte Harrington. Es werde erwartet, dass auf dem Gipfel für nukleare Sicherheit, der am Sonntag in Südkorea beginnt, weitere Staaten ähnliche Erfolge melden würden.

Großteil des Materials stammt aus Forschungsreaktoren

Der aufwendigste Teil des Baus einer Nuklearwaffe ist die Herstellung hochangereicherten Materials, dass für den explosiven Kern der Waffen verwendet wird. Daher wird der Sicherstellung des strahlenden Materials hohe Priorität eingeräumt. Viele Staaten verfügen über angereichertes Material, obwohl sie keine Waffen besitzen. Meist stammt es aus Forschungsreaktoren. Diese werden mithilfe der USA zerlegt oder auf den Betrieb mit geringer angereichertem Material umgerüstet.

Aus von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten Depeschen des US-Außenministeriums von 2009 geht hervor, dass der Prozess nicht immer einfach war. Die libysche Regierung etwa drohte damit, ihre Zusage platzen zu lassen, wonach sie die verbleibenden 5,2 Kilogramm hochangereicherten Urans nicht nach Russland ausfliegen lassen wolle. Auch hier stammte das Material aus einem Forschungsreaktor.

Schließlich willigte Libyen nach zähen Verhandlungen doch ein. Das Uran wurde im Dezember des Jahres 2009 nach Russland gebracht. Nur etwas über ein Jahr danach begann der Volksaufstand gegen das Regime des Machthabers Muammar al-Gaddafi. Der strahlende Stoff hätte dabei in die falschen Hände geraten können.

Weißrussland und Südafrika weigern sich

Im vergangenen Jahr ließ Weißrussland seinerseits eine Zusage platzen, wonach die in dem Land verbleibenden mehreren Kilogramm waffenfähigen Materials sichergestellt werden sollten. Damit reagierte Präsident Alexander Lukaschenko auf Sanktionen, die wegen seines gewaltsamen Vorgehens gegen die Opposition verhängt wurden.

In Südafrika brachen im November 2007 Bewaffnete in die Forschungsanlage Pelindaba ein, in der Nuklearmaterial gelagert wird. Dennoch will die Regierung in Pretoria mit dem Verweis, dass die USA ihr Material nicht vernichteten, ihre Lager waffenfähigen Materials nicht aufgeben. Es ist der umfangreichste Bestand eines Schwellenlandes.

Obama hat die Sicherstellung des strahlenden Materials zu einem der wichtigsten Ziele seiner Außenpolitik gemacht. Er hat gelobt, sich für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen. In diesem Geiste wurde auch der neue Start-Abrüstungsvertrag zusammen mit Russland vorangebracht, der die Reduzierung der Atomwaffenarsenale der einstigen Gegner im Kalten Krieg vorsieht.