Westafrika

Soldaten putschen sich in Mali an die Macht

Putsch im westafrikanischen Mali: Meuternde Soldaten haben nach eigenen Angaben die Regierung gestürzt und die Kontrolle über das Land übernommen. In den Haupstadt Bamako waren Schüsse zu hören, das Staatsfernsehen wurde übernommen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Meuternde Soldaten haben in dem westafrikanischen Land Mali nach eigenen Angaben die Regierung gestürzt. Ein Sprecher der Putschisten erklärte am Donnerstagmorgen, wegen des Scheiterns der politischen Führung im Umgang mit einem Aufstand im Norden hätten sie die Kontrolle über das Land übernommen und alle Institutionen aufgelöst. Im Zentrum der Hauptstadt Bamako waren Schüsse zu hören. Der Aufenthaltsort des demokratisch gewählten Präsidenten Amadou Toumani Touré war zunächst nicht bekannt.

In dem ebenfalls übernommenen Staatsfernsehen präsentierten sich etwa 20 Soldaten als Mitglieder eines Nationalen Komitees zur Wiederherstellung der Demokratie und zur Erneuerung des Staates (CNRDR). „Das Ziel des CNRDR ist nicht, in irgendeiner Weise die Macht zu übernehmen“, sagte ein Sprecher der Gruppe. Sobald die nationale Einheit und die territoriale Integrität gesichert seien, werde die Kontrolle über die Regierung wieder abgegeben.

Hintergrund des Putsches ist offenbar ein Aufstand der Tuareg im Norden des Landes. Mit Waffen aus dem Arsenal des im Herbst getöteten libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ausgestattet, haben Kämpfer der Minderheit zehntausende Menschen in die Flucht geschlagen. Zahlreiche Soldaten der Streitkräfte sollen bei den seit Mitte Januar anhaltenden Gefechten in der Region getötet worden sein.

Aufstand begann am Mittwoch in einer Kaserne


Bei einem Besuch des malischen Verteidigungsministers Sadio Gassama in einer Kaserne in Bamako hatten Soldaten am Mittwochmorgen gegen die schlechte Ausrüstung der Streitkräfte im Kampf gegen die Separatisten protestiert. Den Truppen stünden zu wenig Waffen und Lebensmittel zur Verfügung, hieß es. Zudem forderten sie eine bessere Versorgung der Familien von getöteten Soldaten. Einige junge Rekruten feuerten in die Luft und bewarfen das Auto des Ministers beim Wegfahren mit Steinen.

Am Abend besetzten verärgerte Soldaten dann den Sitz der staatlichen Rundfunkanstalt. Das Radio- und TV-Programm war über viele Stunden unterbrochen. In Bamako waren bereits am Mittwoch den Tag über immer wieder Schüsse zu hören.

Wie am Donnerstag aus Kreisen der Streitkräfte verlautete, hatten sich die Mitglieder der Präsidialgarde schließlich einem Ansturm auf den Palast nicht zur Wehr setzen können. Die Aufständischen durchsuchten den Angaben zufolge das gesamte Gelände nach dem Präsidenten, hätten ihn aber bisher nicht gefunden. Das Ende der offiziellen Amtszeit Tourés steht kurz bevor. Für Ende April ist in Mali eine Präsidentschaftswahl angesetzt.