Anschlagsserie in Syrien

Mehrere Tote durch Bombenexplosion in Aleppo

Nachdem am Samstag in der Hauptstadt Damaskus zwei Autobomben detoniert waren soll es auch am Sonntag eine Explosion in Syrien gegen haben. Diesmal in Aleppo. Mehrere Menschen starben dabei.

Foto: AFP

Eine Serie von Bombenanschlägen hat am Wochenende das vom Abgleiten in den Bürgerkrieg bedrohte Syrien erschüttert und mindestens 30 Menschen den Tod gebracht. Nachdem am Samstag in der Hauptstadt Damaskus zwei Sprengsätze vor Gebäuden von Sicherheitsbehörden explodiert waren, meldete das staatliche Fernsehen am Sonntag einen Anschlag ebenfalls mit einer Autobombe in der zweitgrößten Stadt Aleppo. Nach Angaben aus der Opposition gab es hier drei Tote und 25 Verletzte. Die Attentate wurden kurz nach dem ersten Jahrestag des Beginns der Volkserhebung gegen Präsident Baschar al-Assad verübt. In Damaskus löste die Polizei eine Demonstration von 200 Oppositionellen auf.

Die Bombe in Aleppo explodierte nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens zwischen zwei Wohnhäusern, die an ein Postamt grenzen. Nach Angaben aus der Opposition befindet sich in der Nähe eine Dienststelle der Sicherheitskräfte. Das staatliche Fernsehen machte auch für den Anschlag in Aleppo „Terroristen“ verantwortlich.

Bei dem Doppel-Attentat in Damaskus waren am Samstag nach Angaben des Innenministeriums 27 Menschen getötet und 140 verletzt worden. Ziele der unbekannten Attentäter waren ein Geheimdienstgebäude und der Sitz der Kriminalpolizei. „Wir hörten eine riesige Explosion. In dem Moment wurden Türen aus der Verankerung gerissen, obwohl wir von der Explosionsstelle weit weg sind“, sagte ein älterer Mann dem syrischen Fernsehen. Bilder zeigten die zerstörte Vorderfront des Geheimdienstgebäudes. Auf der Straße waren mehrere ausgebrannte Autos zu sehen. Vom angegriffenen Gebäude der Kriminalpolizei brachte das Fernsehen Aufnahmen eines qualmenden Autowracks, in dem offenbar eine verkohlte Leiche lag.

POLIZEI SCHLÄGT AUF DEMONSTRANTEN EIN

Die Anschläge erinnerten an frühere Bombenattentate in Damaskus und Aleppo. So waren im Dezember und Januar in der Hauptstadt bei drei Selbstmordanschlägen mindestens 70 Menschen getötet worden. Seit Beginn der Erhebung gegen Assad sind nach Berechnungen der UN mehr als 8000 Menschen getötet worden. Die Regierung weist den Vorwurf eines brutalen Vorgehens gegen Zivilisten zurück und beschuldigt „Terroristen“, für den Tod von 2000 Soldaten und Polizisten verantwortlich zu sein.

In der Hauptstadt demonstrierten am Sonntag rund 200 Menschen gegen die anhaltende Gewalt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Als die Menge lautstark einen Regimewechsel gefordert habe, sei die Polizei eingeschritten und habe die Versammlung unter dem Einsatz von Schlagstöcken aufgelöst. Zu dem Protest hatten gemäßigte Oppositionspolitiker aufgerufen. Einer der Wortführer der auf Gewaltlosigkeit setzenden Bewegung für Demokratischen Wandel sei festgenommen worden.

In ungewöhnlich scharfen Worten forderte Russland die syrische Regierung auf, den Friedenseinsatz des UN-Gesandten Kofi Annan zu unterstützen. Sie solle schnell und ohne Verzögerung das Vorgehen des ehemaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen unterstützen, erklärte Außenminister Sergej Lawrow in einem am Samstag veröffentlichten Interview. Man erwarte dies allerdings auch von der Opposition. Lawrow betonte, dass Russland „nicht die syrische Regierung unterstützt“. Russland und China hatten Anfang Februar mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat die Verurteilung der syrischen Regierung verhindert. Die beiden Länder werfen dem Westen und arabischen Staaten – die Annan ebenfalls vertritt – vor, Präsident Baschar al-Assad stürzen zu wollen. Russland ist ein langjähriger Verbündeter Syriens.