Blutbad in Afghanistan

Amokschütze Bales gilt als Familienmenschen

| Lesedauer: 4 Minuten

Robert Bales soll in Afghanistan 16 Zivilisten getötet haben: Nun ist der 38 Jahre alter Unteroffizier der US-Armee in seine Heimat gebracht worden. Der Soldat und zweifache Familienvater wartet in einem Hochsicherheitstrakt der Armee auf seine Anklage.

Nach fünf Tagen der Geheimhaltung ist der Name des US-Soldaten bekannt gegeben worden, der in Afghanistan 16 Menschen erschossen haben soll. Es handelt sich dabei um den 38-jährigen Unteroffizier Robert Bales, wie sein Anwalt am Freitag bestätigte. Bales ist ein zweifacher Familienvater. Mit Fassungslosigkeit ist im Heimatort des US-Soldaten Robert Bales die Nachricht aufgenommen worden, dass er derjenige sein soll, der bei einem Amoklauf 16 Menschen getötet hat. Die Nachbarn des 38-jährigen Soldaten im kleinen Ort Lake Tapps im US-Staat Washington beschrieben ihn als Familienmenschen, dem sie eine solche Tat nicht zugetraut hätten.

Gerichtsunterlagen zufolge wurde Bales vor zehn Jahren wegen eines tätlichen Übergriffs auf seine damalige Lebensgefährtin festgenommen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, nachdem Bales 20 Therapiestunden zur Aggressionsbewältigung absolviert hatte. Auch ein Verfahren gegen ihn wegen eines Unfalls mit Fahrerflucht vor drei Jahren wurde laut Gerichtsunterlagen eingestellt.

Kriegsveteran wollte nicht nach Afghanistan

Wie sein Anwalt John Henry Browne sagte, zog sich Bale bei einem Einsatz im Irak Verletzungen zu, in deren Folge ihm ein Teil eines Fußes amputiert wurde. Als der Kriegsveteran hörte, dass er in Afghanistan stationiert werden sollte, habe er nicht gehen wollen, sagte Browne. Einen Tag vor dem Amoklauf in zwei afghanischen Dörfern am vergangenen Sonntag habe Bales gesehen, wie ein Kamerad bei einer Explosion sein Bein verloren habe. Ob sein Mandant an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, könne er nicht sagen, sagte Browne.

Auszeichnungen für gutes Benehmen

Bales war seit November 2001 bei den US-Streitkräften. Vor Beginn seines Einsatz in Afghanistan im vergangenen Dezember diente er mehr als drei Jahre im Irak. Ihm wurden mehr als 20 Auszeichnungen verliehen, darunter drei Medaillen für gutes Benehmen im Militärdienst.

Bales wurde inzwischen von Kuwait in ein Militärgefängnis im US-Staat Kansas gebracht, wo er in einer Einzelzelle einsitzt.

Mutmaßlicher Afghanistan-Amokschütze in USA eingetroffen

Der mutmaßliche Amokschütze von Kandahar ist US-Medienberichten zufolge in ein Militärgefängnis im US-Bundesstaat Kansas gebracht worden. Der 38 Jahre alte Unteroffizier Robert Bales sei aus Kuwait kommend in Fort Leavenworth eingetroffen, meldete die "New York Times“ am Freitagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Militärangaben. Dort sei er in einer Einzelzelle in einem mittleren Sicherheitsbereich untergebracht worden. Der zweifache Familienvater soll am Sonntag vor einer Woche im Pandschawi-Distrikt der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Zivilisten getötet haben, darunter neun Kinder. In seiner Heimat soll ihm der Prozess gemacht werden.

Die Bluttat hatte zu heftigen Reaktionen geführt. Das Parlament in Kabul hatte ein öffentliches Verfahren gegen den US-Soldaten in Afghanistan verlangt. Bales war zunächst nach Kuwait ausgeflogen und dort auf einer US-Militärbasis untergebracht worden. Wie US-Medien berichteten, wollten die dortigen Behörden ihn jedoch auch nicht länger im Land behalten.

Während das US-Verteidigungsministerium die Identität des mutmaßlichen Amokschützen bis dato aus Sicherheitsgründen geheim gehalten hatte, veröffentlichten US-Medien am Freitag den Namen des Mannes. Dabei beriefen sie sich auf Militärangaben. Auch weitere Details wurden bekannt. So sei Bales im vergangenen Dezember nach Afghanistan geschickt worden.

Laut „New York Times“ könnten Stress, Eheprobleme und Alkohol den Amoklauf ausgelöst haben. Der Unteroffizier habe in der Nacht vor dem Massaker getrunken. Zwischen dem Soldaten und seiner Frau habe es Spannungen gegeben. Zudem habe er unter Stress wegen seines inzwischen vierten Kriegseinsatzes gelitten.

„Am Ende wird es eine Kombination aus Stress, Alkohol und häuslichen Problemen sein – er ist einfach ausgerastet“, sagte ein Regierungsbeamter dem Blatt. Der Anwalt des Unteroffiziers, John Henry Browne, bezeichnete die Berichte über Eheprobleme seines Mandaten dagegen als „Unsinn“. Da dies bereits nicht stimme, hege er auch Zweifel, dass bei dem Amoklauf Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien, sagte Browne der Zeitung. Allerdings sei auch klar, dass praktisch jeder auf einer abgelegenen Basis in Afghanistan unter Stress stehe.

( dpa/dapd/nbo )

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