Nach tödlichen Anschläge

Frankreich will seine Soldaten besser schützen

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Im Südwesten Frankreichs dürfen Soldaten mit Uniform nicht mehr in die Öffentlichkeit. Nach zwei Mordanschlägen auf Militärs herrscht Angst vor einer weiteren Bluttat. Beide Male schoss ein mysteriöser Motorroller-Fahrer sie kaltblütig nieder – mit der gleichen Waffe.

Die tödlichen Anschläge auf Soldaten im Südwesten Frankreichs gehen wahrscheinlich auf das Konto eines Täters. In beiden Fällen wurden die Todesschüsse von einem Motorroller-Fahrer mit der gleichen Waffe abgefeuert, wie die Behörden und französische Medien berichteten.

„Es besteht eine unbestreitbare Verbindung“, sagte der zuständige Staatsanwalt Michel Valet vor laufender Kamera bei einer Pressekonferenz. Ballistische Untersuchungen hätten das zweifelsfrei ergeben.

Am Donnerstag waren im südfranzösischen Montauban zwei Soldaten getötet und ein dritter schwer verletzt worden. Ebenfalls auf offener Straße hatte ein Unbekannter im 50 Kilometer entfernten Toulouse am Sonntag einen Soldaten erschossen.

Er war nach Behördenangaben allerdings in zivil unterwegs. Der Täter war nach Medienberichten äußerst kaltblütig an seine Opfer herangetreten und hatte aus nächster Nähe zahlreiche Schüsse auf sie abgegeben. Alle drei Toten sind nach Medienberichten nordafrikanischer Abstammung.

Der Hintergrund der Bluttaten ist völlig unklar. Das Verteidigungsministerium rief alle im Großraum Toulouse stationierten Soldaten zu erhöhter Vorsicht auf. Außerhalb des Militärgeländes solle bis auf weiteres aufs Tragen von Uniformen verzichtet werden, berichtete der TV-Nachrichtensender BFM.

Nach ersten Erkenntnissen der Behörden fuhr der Schütze in Montauban einen PS-starken schwarzen Motorroller und trug einen Helm mit getöntem Visier. Auch in Toulouse soll der Täter mit einem motorisierten Zweirad unterwegs gewesen sein.

Nach Informationen der Zeitung „Le Figaro“ verfolgt die Polizei mehrere mögliche Spuren. Auch Vergeltungsakte im Milieu der organisierten Kriminalität oder die Wahnsinnstat eines Waffenfanatikers wurden nicht ausgeschlossen.

Nach den tödlichen Schüssen hat die Armee ihre Sicherheitsmaßnahmen in der Region um Toulouse verschärft. Soldaten sollten außerhalb der Kasernen keine Uniform mehr tragen, sagte ein Armeesprecher am Freitag.

Außenminister Alain Juppé hob hervor, es gebe bisher "keinerlei Beweise oder Hinweise", dass der Vorfall mit dem Einsatz der französischen Armee in Afghanistan zusammenhänge.

Die Soldaten in Montauban gehörten zu einem Regiment, das in der Nähe des Tatortes stationiert ist und regelmäßig in Afghanistan zum Einsatz kommt. Auch die Einheit in Toulouse ist an Afghanistan-Einsätzen beteiligt. Die Armee verstärkte nun die Sicherheit für alle Standorte, an denen Soldaten der elften Fallschirmjägerbrigade stationiert sind, also die südfranzösischen Städte Toulouse, Montauban, Pamiers und Tarbes. Auch der Eingangsbereich der Kasernen soll stärker bewacht werden.

Juppé sprach am Freitag von einem "feigen Mord", wandte sich aber dagegen, eine direkte Verbindung zu den Afghanistan-Einsätzen zu ziehen. Verteidigungsminister Gérard Longuet hatte am Donnerstagabend in Montauban auf die Frage nach einem terroristischen Hintergrund gesagt, dass "alle Spuren" verfolgt werden müssten. Es könnte sich um ein persönliches Motiv genauso wie um einen wohlgeplanten Angriff einer Gruppe handeln. Präsident Nicolas Sarkozy sagte, es handele sich zweifellos um Mord, aber die Umstände lägen im Dunkeln.

( AFP/dpa/nbo )

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