Anhaltende Gewalt

Türkei ruft Bürger zum Verlassen Syriens auf

Während das Außenministerium in Ankara türkische Staatsbürger aufgerufen hat, das Nachbarland Syrien wegen der zunehmenden Gewalt zu verlassen und die arabischen Golfstaaten ihre Botschaften aus Protest geschlossen haben, geht die Gewalt in Damaskus unvermindert weiter.

Syrische Regierungstruppen und Deserteure haben sich unterdessen nach Angaben syrischer Aktivisten nahe der Hauptstadt Damaskus Gefechte geliefert. Zu den Zusammenstößen sei es in den Vororten Katana, Dumair und Tal gekommen, berichteten die in London ansässige Beobachterstelle für Menschenrechte sowie die Örtlichen Koordinationskomitees. Begonnen hatten die Kämpfe demnach bereits am Donnerstag, in Tal hielten sie aber bis zum frühen Freitagmorgen an.

Es seien die schwersten Zusammenstöße in der Region, seit Regierungstruppen von Präsident Baschar Assad Gebiete rund um die Hauptstadt in einer groß angelegten Militäroperation von Aufständischen zurückerobert hätten, hieß es. Beide Organisationen berichteten zudem von Zusammenstößen zwischen den abtrünnigen Einheiten, die sich unter dem Namen Freie Syrische Armee zusammengeschlossen haben, und Regierungstruppen in der Provinz Deir el-Sur an der Grenze zum Irak im Osten des Landes. Dabei sei ein Mensch ums Leben gekommen.

Erdogan: Einrichtung von Pufferzone an Grenze möglich

Die Türkei hat ihre Staatsbürger in Syrien „dringend“ aufgerufen, das von Unruhen erschütterte Nachbarland zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. Es gebe „erhebliche Sicherheitsrisiken“ für Türken in Syrien, erklärte das Außenministerium am Freitag in Ankara. Die Konsularabteilung der türkischen Botschaft in Damaskus werde kommende Woche geschlossen, teilte das Ministerium weiter mit. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, ein dauerhafter Abzug des türkischen Botschafters aus Syrien sei möglich; der Diplomat befindet sich derzeit zu Konsultationen in Ankara.

Erdogan sagte, sein Land bereite sich auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge aus Syrien vor. Die Einrichtung einer Pufferzone an der türkisch-syrischen Grenze oder einer „Sicherheitszone“ zur Versorgung der Flüchtlinge seien möglich. Allein will die Türkei dabei aber offenbar nicht vorgehen: Erdogan verwies auf wichtige Entscheidungen, die am 2. April in Istanbul bei der zweiten Konferenz der „Freunde Syriens“ anstünden, einer Gruppe von Staaten, die den Druck auf die syrische Führung erhöhen will.

Das Außenministerium bekräftigte in seiner Erklärung eine bereits bestehende Reisewarnung für Syrien. Sollten Reisen unbedingt nötig sein, so sollten die Überlandstraßen beim Nachbarn nur bei Tageslicht benutzt werden. In den vergangenen Tagen war ein türkischer Lastwagenfahrer bei Gefechten in Syrien zwischen die Fronten.

Arabische Golfstaaten schließen ihre Botschaften in Damaskus

Die arabischen Golfstaaten haben ihre Botschaften in Damaskus aus Protest gegen die brutale Unterdrückung der Regimegegner geschlossen. Der Generalsekretär des Golfkooperationsrates (GCC), Abdellatif al-Sajani, erklärte am Freitag: „Die sechs Mitgliedstaaten des Rates haben entschieden, ihre Botschaften in der syrischen Hauptstadt Damaskus zu schließen, weil sie die Tötung des wehrlosen syrischen Volkes durch das Regime ablehnen.“ Dieser Schritt sei auch eine Antwort auf das Beharren des Regimes (den Konflikt) militärisch lösen zu wollen.

Die Golfstaaten hatten ihre Botschafter bereits im Februar aus Syrien abgezogen. In den vergangenen Tagen zogen sie dann weiteres Personal aus ihren Vertretungen in Damaskus ab.