Gehackte Mails

Baschar al-Assad erhielt wichtige Tipps aus dem Iran

Dem "Guardian" liegen Tausende E-Mails des syrischen Präsidenten Assad vor. Die Mails sind nicht nur außenpolitisch brisant. Sie zeigen das Luxusleben der First Lady.

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Eine britische Zeitung hat nach eigenen Angaben Tausende von mutmaßlichen E-Mails des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seiner Frau Asma zugespielt bekommen. Sie seien von Mitgliedern des Obersten Revolutionsrats abgefangen worden, berichtete der „Guardian“.

Nähere Angaben machte das Blatt nicht, druckte aber eine lange Erklärung zur Echtheitsprüfung der Mails. Es ein großer Aufwand betrieben worden, um die Echtheit der Emails zu bestätigen, es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es sich um Fälschungen handele, räumte die Zeitung ein.

Protestniederschlagung – mehrfach vom Iran beraten

Die E-Mails zeigen demnach, dass sich die syrische Regierung bei der Niederschlagung der seit einem Jahr andauernden Proteste im Land offenbar mehrfach vom Iran beraten ließ. In einer Email fordert Assads Medienberater den Präsidenten zu einer „machtvollen und gewaltsamen“ Sprache auf.

Sein Rat beruhe auf „Gesprächen mit einer Reihe von Personen“, darunter der Berater des iranischen Botschafters. In weiteren Emails wird Assad aufgefordert, die „Sicherheit zu verschärfen“ und die „staatliche Kontrolle“ in bestimmten Regionen „wiederherzustellen“. Zudem wird er vor „illegal eingereisten europäischen Reportern“ gewarnt.

Weitere Mails belegen offenbar den ausschweifenden Lebensstil des Präsidentenpaars. Demnach soll die Ehefrau Assads bei Internetbestellungen tausende Dollar für Einrichtungsgegenstände wie Kerzenleuchter, Tische, Kronleuchter und Schmuck ausgeben, während sich der Präsident offenbar für unterschiedliche Musikrichtungen interessiert. Beim Online-Musikshop iTunes soll Assad Titel verschiedener britischer und US-Bands heruntergeladen haben.

In den Mails befänden sich Familienfotos und Videos, ein eingescannter Personalausweis Assads und andere Details, die schwer zu fälschen seien, schrieb der „Guardian“.

Es ist nicht das erste Mal, dass E-Mails aus Assads Umfeld veröffentlicht werden .

Gefechte am Jahrestag des Aufstandes

Derweil nimmt die Gewalt ein Jahr nach Beginn des Aufstandes weiter zu. Am Donnerstagmorgen wurden aus drei Stadtteilen der Hauptstadt Damaskus Gefechte zwischen den Regierungstruppen und oppositionellen Kämpfern gemeldet.

Der Nachrichtensender Al-Dschasira veröffentlichte unterdessen ein Video, in dem bewaffnete Gegner des Regimes aus der Ortschaft Duma die Freilassung aller Gefangenen aus Duma fordern. Die Bewaffneten drohten, einen angeblich von ihnen gefangen genommenen General der Armee zu töten, falls diese Forderung nicht binnen 72 Stunden erfüllt werden sollte.

In mehreren Ländern sind diese Woche Protestaktionen geplant, um an den Beginn der syrischen Revolution am 15. März 2011 zu erinnern. Damals war eine kleine Demonstration in Damaskus mit Gewalt aufgelöst worden. Drei Tage später fielen in der Provinzstadt Daraa die ersten tödlichen Schüsse auf Demonstranten.

In der türkischen Stadt Gaziantep versammelten sich am Donnerstag rund 300 Aktivisten, die einen „Friedensmarsch“ zur syrischen Grenze planten.