Wahlumfrage

Amtsinhaber Sarkozy liegt erstmals vor Hollande

Gut fünf Wochen vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich liegt Amtsinhaber Nicolas Sarkozy erstmals in einer Umfrage vorn – wenn auch denkbar knapp.

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Nicolas Sarkozy winkt ab: „Das ist alles nur Schall und Rauch.“ Nichts sei gewonnen, nichts sei entschieden. Was der französische Präsident am Dienstag so auffällig nüchtern kommentiert, versetzt das politische Frankreich in Aufregung: Erstmals seit fast einem Jahr liegt Sarkozy in einer Umfrage für die erste Runde der Präsidentschaftswahl vor seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande. Viele Konservative sehen darin die lange ersehnte Trendwende.

Nach seinem großen Wahlkampf-Auftritt vom Sonntag vor rund 50.000 Anhängern, der in bester US-Manier mit Fahnenmeer und Licht-Show inszeniert war, kommt Sarkozy in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop nun auf 28,5 Prozent im ersten Wahlgang, Hollande fällt auf 27 Prozent zurück. Doch in der Stichwahl im zweiten Wahlgang im Mai hätte der Sozialist mit 54,5 Prozent weiterhin einen beachtlichen Vorsprung von neun Prozentpunkten vor Sarkozy.

Dass die Umfrage dennoch Konservative wie Sozialisten aufschreckt, liegt daran, dass sie mit Sarkozys Wahlkampf-Strategie übereinstimmt: Im März will der Präsident, der erst spät im Februar in den Wahlkampf gestartet war, den Vorsprung des Sozialisten aufholen. Unermüdlich ist der Präsident derzeit bei Kundgebungen, Fabrikbesuchen oder Fernsehauftritten zu sehen. Ein Feuerwerk von Wahlkampf-Versprechen zündete er, zuletzt zur Begrenzung der illegalen Einwanderung sowie zur Verfolgung von Steuerflüchtlingen.

„Sarkozy musste angreifen, weil er hinten lag“, analysiert Henrik Uterwedde, der stellvertretende Leiter des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg. „Ohne Rücksicht auf Verluste“ habe der Präsident versucht, rechtsgerichtete Wähler und Euroskeptiker an sich zu binden. Im ersten Wahlgang wolle Sarkozy mit Hollande mindestens gleichauf liegen: „Er hofft auf eine psychologische Dynamik, die dadurch ausgelöst werden kann.“ Die neue Umfrage könne für Wähler, die ihn schon abgeschrieben hätten, ein „Signal“ sein.

Marine Le Pen darf als Kandidatin antreten

Einig sind sich die Experten, dass der bisher haushohe Vorsprung von Hollande alles andere als normal war. Frédéric Dabi vom Meinungsforschungsinstitut Ifop erinnert daran, dass es in der Fünften Republik noch nie den Fall gegeben habe, dass ein amtierender Präsident in den Umfragen für den ersten Wahlgang ständig zurücklag. Der jüngste Zugewinn für Sarkozy sei also „ein bisschen Rückkehr zur Normalität“.

Auch die Sozialisten haben sich darauf eingestellt, dass die Umfragewerte für Hollande wieder sinken würden. Doch auch Hollande will im ersten Wahlgang möglichst vorne liegen: „In der ersten Runde entsteht die Dynamik“, ist sich der Sozialist sicher, der die linken Wähler dazu aufruft, sich hinter ihm zu scharen. „Die erste Runde entscheidet über die zweite.“

Uterwedde erinnert allerdings daran, dass bei früheren Wahlen schon häufiger ein Kandidat im ersten Wahlgang vorne lag, in der Stichwahl dann aber verlor. So sei dies 1974 für den Sozialisten François Mitterrand gewesen, 1981 für den Bürgerlichen Valéry Giscard d'Estaing. Die Stichwahlen seien zudem oft denkbar knapp ausgegangen. Wichtig seien daher die „Stimmreserven“ der Kandidaten: Sarkozy sei es zwar 2007 gelungen, „den Rechtsextremen das Wasser abzugraben“. Ob ihm das aber erneut gelingt, sei äußerst unsicher.

Sicher ist seit Dienstag, dass die Rechtsextreme Marine Le Pen bei der Wahl als Kandidatin antreten darf: Immerhin 16 Prozent der Franzosen wollen laut Ifop für die Chefin der Front National stimmen. Sarkozys rechtslastiger Wahlkampf könnte laut Uterwedde in der Stichwahl jedoch Wähler der Mitte verschrecken.

Der strategische Berater des Präsidenten, Patrick Buisson, ist dennoch zuversichtlich. In der Zeitung „Le Monde“ ließ er durchblicken, dass die Konservativen auf eine Mobilisierungskampagne vor dem zweiten Wahlgang setzen: „Die meisten von denen, die sich nicht entscheiden wollen, werden am 6. Mai wählen gehen. Und da sind die Stimmreserven eher auf Seiten von Nicolas Sarkozy.“