Horrorbilder aus Homs

In Syrien werden Kinder mit Messern massakriert

Regimetreue Medien zeigen Horrorbilder aus Homs – und behaupten, Deserteure hätten die Zivilisten getötet. Die Regimegegner beschuldigen dagegen die syrischen Truppen.

Fünf Tage nach dem Einmarsch der Armee in Homs haben die regimetreuen syrischen Medien Horrorbilder aus der einstigen Oppositionshochburg veröffentlicht. Der TV-Sender al-Dunia zeigte Aufnahmen von Männern, Frauen und Kindern, die in der Stadt Homs mit Messern massakriert worden waren. Die Zivilisten seien von den Deserteuren der sogenannten Freien Syrischen Armee getötet worden, meldete der Sender.

Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad erklärten dagegen, die Truppen des Regimes hätten den Zivilisten am vergangenen Donnerstag bei ihrem Versuch, aus dem Viertel Baba Amro zu fliehen, die Kehlen durchgeschnitten. Das jüngste Opfer des Massakers sei ein einjähriges Mädchen namens Fatin.

Die syrischen Staatsmedien meldeten, nach der „Säuberung“ des Viertels Baba Amro kehrten nun die ersten Bewohner in das Viertel zurück. Dem Internationalen Rote Kreuz wird der Zugang zu dem Viertel jedoch immer noch verwehrt.

Erdogan fordert humanitäre Korridore

US-Senator John McCain forderte Luftangriffe auf Syrien. Das sei „der einzig realistische Weg“, um dort das „Gemetzel zu stoppen und unschuldige Leben zu retten“, sagte der prominente US-Politiker nach amerikanischen Medienberichten im US-Senat. Mit einem militärischen Eingreifen, angeführt von den USA, solle die syrische Opposition unterstützt werden, forderte der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Für die Opposition müssten im Norden des Landes Rückzugsgebiete geschaffen werden. Die US-Regierung lehnt bislang ein gewaltsames Vorgehen ab.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte das syrische Regime auf, den Weg für humanitäre Hilfe in die umkämpften Gebiete des Landes freizugeben. „Es müssen umgehend humanitäre Korridore geöffnet werden“, sagte Erdogan Er warnte den syrischen Machthaber Assad vor weiterer Gewalt, für die dieser den Preis später zahlen werde, wie die türkische Agentur Anadolu berichtete. Für das Blutvergießen werde es Vergeltung geben.

Die Spaltung der syrischen Armee schreitet unterdessen weiter voran. In Foren der Protestbewegung wurden am Dienstag Namen und Wohnorte vermeintlicher „Mörder“, „Plünderer“ und „Verräter“ unter den Offizieren veröffentlicht.

Gleichzeitig verbreiteten Oppositionelle ein Video, das angeblich alawitische Deserteure zeigt, die sich der aus Fahnenflüchtigen bestehenden Freien Syrischen Armee anschließen. In dem Video, dessen Echtheit nicht überprüft werden konnte, fordert der Anführer der Gruppe die Alawiten in den syrischen Streitkräften zur Fahnenflucht auf.

Armee sprengt Brücke

Präsident Assad, zahlreiche führende Kommandeure der Sicherheitskräfte und die Mitglieder der sogenannten Schabiha-Milizen gehören der Minderheit der Alawiten an. Die Opposition, die zu einem großen Teil aus Angehörigen der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit besteht, hatte sich in den ersten Monaten des Aufstandes gegen Assad sehr bemüht, eine Spaltung zwischen den Religionsgruppen zu verhindern. Die Ausweitung der Gewalt hat jedoch nach Einschätzung von Beobachtern zu einer Radikalisierung auf beiden Seiten geführt.

Die Protestbewegung meldete unterdessen, die Armee habe eine Brücke nahe der libanesischen Grenze gesprengt, über die Aktivisten zuletzt Verletzte ins Nachbarland gebracht hätten. Am Dienstag seien landesweit zehn Menschen getötet worden. Gefechte zwischen Deserteuren und Regierungstruppen habe es in der Nähe des Flughafens von Aleppo gegeben.