Afghanistan

Zwei US-Berater im Innenministerium erschossen

Wieder haben Tausende Afghanen gegen die Koran-Verbrennungen durch USA-Soldaten protestiert. Die Gewalt eskaliert: In Kabul wurden zwei US-Bürger erschossen.

Foto: REUTERS / Reuters

Bei einer Schießerei im afghanischen Innenministerium sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Die US-Bürger seien bei einer Schießerei in der Kommando- und Kontrollzentrale des Ministeriums in Kabul getötet worden, hieß es am Sonnabend. Laut Fernsehberichten ging den Schüssen ein „Wortwechsel“ voraus. Das Ministerium sei abgeriegelt worden. Niemand dürfe das Gebäude verlassen oder betreten.

Bereits am fünften Tag in Folge hatten am Sonnabend wieder tausende Menschen gegen die Koran-Verbrennung in Afghanistan protestiert. In der Nordprovinz Kundus, wo deutsche Soldaten stationiert sind, und in der Ostprovinz Laghman schlug der zunächst friedliche Protest in Ausschreitungen um. Trotz der Gewalttätigkeiten lehnen Bundeswehr- und Reservistenverband einen vorzeitigen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan ab. Bis Ende 2014 sollen die Afghanen schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.

Seit Beginn der Ausschreitungen am Dienstag wurden nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet. Hunderte wurden verletzt. Auslöser war US-Soldaten, die auf einem Stützpunkt Koran-Bücher verbrannt hatten, was als Gotteslästerung gilt. US-Präsident Barack Obama bat um Entschuldigung und sprach von einem schrecklichen Fehler.

In Kundus feuerte die Polizei nach Angaben eines Sprechers in die Luft, um gewalttätige Demonstranten auseinander zu treiben. Nach zunächst friedlichem Protest attackierten tausende Demonstranten Gebäude der Provinzregierung und ein UN-Büro mit Steinen. Der Leiter des örtlichen Gesundheitsamts, Saad Mukhtar, sagte, bei dem Handgemenge seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, 50 weitere seien verletzt worden.

Nicht von Steinewerfern einschüchtern lassen

Trotz der Ausschreitungen in Afghanistan hält der Bundeswehrverband nichts von einem schnelleren Abzug der deutschen Soldaten. Zwar sei die Sicherheitslage nach wie vor sensibel und könne jederzeit kippen, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch der „Passauer Neuen Presse“. Sie sei aber grundsätzlich nicht anders als vor den Unruhen. „Aus diesem Grund werden die zwischen den Verbündeten verabredeten Abzugsplanungen weiter verfolgt.“

Die Bundeswehr in Afghanistan hatte am Donnerstag wegen der Unruhen nach den Koran-Verbrennungen ihren Stützpunkt in Talokan komplett geräumt und die dort stationierten 60 Soldaten ins Feldlager Kundus verlegt. Kirsch sagte, der verantwortliche Kommandeur habe „mit Umsicht und Augenmaß“ gehandelt und die Sicherheit seiner Soldaten an erste Stelle gestellt. Vor zwei Wochen erst war das Lager mit Molotow-Cocktails und Handgranaten angegriffen worden.

Der Reservistenverband der Bundeswehr plädierte für einen beschleunigten Abzug der deutschen Soldaten aus einzelnen Provinzen. Verbandspräsident Roderich Kiesewetter sagte im Deutschlandradio Kultur, es müsse viel deutlicher Verantwortung übergeben werden, „vielleicht auch der eine oder andere Standort eher als geplant“. Darauf sei Afghanistan in weiten Teilen vorbereitet. 80 Prozent des Landes seien friedlich.

In der „Schwäbischen Zeitung“ schlug Kiesewetter aber auch kritische Töne wegen der Lager-Räumung an. „Es wäre fatal, wenn das Zeichen an die afghanischen Öffentlichkeit ginge, da müssen wir nur in kritischer Lage mit ein paar Steinewerfern auftauchen – und schon zieht sich die internationale Gemeinschaft zurück“, wurde der Verbandspräsident zitiert.

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