Neuer Job

Julian Assange soll russische Talkshow moderieren

Für den Kreml-treuen Sender "Russia Today" soll der „Wikileaks"-Gründer Prominente interviewen. Der neue Job kommt für den klammen Assange zur rechten Zeit.

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Julian Assange, der Gründer der Enthüllungsplattform „Wikileaks“, hat einen neuen Job: Er wird eine Talk-Show moderieren. „Ikonoklasten, Visionäre und mächtige Insider“, die „die Welt von Morgen gestalten“, werde Assange interviewen, teilt der Sender mit, der die Show ausstrahlen wird. Der neue Arbeitgeber des Wikileaks-Gründers ist der staatliche russische Fernsehsender RT (Russia Today).

Die erste Folge soll Mitte März erscheinen, insgesamt sind 10 halbstündige Sendungen geplant. Die Namen der Gäste werden noch geheim gehalten. Alle Interviews werden in Großbritannien aufgenommen, wo Assange unter Hausarrest steht. Der umstrittene Internet-Aktivist kämpft gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo ihm Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen werden. Am 1. Februar soll der Oberste Gerichtshof entscheiden, ob Assange nach Schweden ausgeliefert wird.

"Die erste TV-Show von Julian Assange läuft bei UNS!!!“

RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan twitterte am Mittwoch die Nachricht: „Fox News hat 7 Minuten lang geraten, bei welchem Sender die Show von Assange läuft. Ich kann nicht mehr schweigen!“ und „Paukenschlag... Die erste TV-Show von Julian Assange läuft bei UNS!!!“.

Russia Today gehört zu der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti und wird vom Staat finanziert. Die Sendungen werden in englischer, spanischer und arabischer Sprachen ausgestrahlt. Dem Sender wird oft eine unausgewogene und Kreml-treue Berichterstattung vorgeworfen.

Angebot zur rechten Zeit

Vor einigen Wochen sagte Assange im Interview mit dem „Rolling Stone“, er sei pleite. Seine ehemaligen Anwälte hielten die Rechte an seinem Buch. Wie er seine aktuellen Anwälte bezahlt, teilte er nicht mit. Im Oktober musste Wikileaks wegen Geldmangels die Veröffentlichung von Enthüllungen einstellen.

Im September versteigerte Assange bei E-Bay seinen Laptop, ein Säckchen Kaffe aus dem Gefängnis und andere private Sachen. Im Juni wurde ebenfalls bei E-Bay ein Mittagessen mit Assange angeboten. Bei diesem Geldmangel dürfte ein Angebot des russischen Senders zur rechten Zeit kommen. Russia Today bekommt eine erhebliche Finanzierung aus dem staatlichen Budget: Im vergangenen Jahr waren es 11,4 Milliarden Rubel (285 Millionen Euro).