Irak-Einsatz

Massaker – Angeklagter Soldat von Haft verschont

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: REUTERS

Im Jahr 2005 tötete eine US-Einheit in Haditha 24 Zivilisten – eines der schwersten Kriegsverbrechen im Irak. Nun wurde der Verantwortliche zwar verurteilt, muss aber nicht in Haft.

Für eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak muss auch der hauptverantwortliche Soldat nicht ins Gefängnis. Ein Militärgericht in Kalifornien verurteilte den Unteroffizier Frank Wuterich zwar zu 90 Tagen Haft, doch muss er die Strafe wegen einer Abmachung zwischen Anklage und Verteidigung nicht absitzen. Die irakische Regierung reagierte erbost auf das Urteil.

Wuterich wurde wegen Verletzung der Dienstpflicht zu der Haftstrafe verurteilt und außerdem zum einfachen Gefreiten degradiert. Gemäß der „vorgerichtlichen Vereinbarung“ müsse er die Strafe aber nicht antreten, erklärte das Militärgericht auf dem Stützpunkt Camp Pendleton. Wuterich bleiben auch Gehaltseinbußen erspart. Das Gericht führte dafür als mildernden Umstand Wuterichs Situation als alleinerziehender Vater an.

Den Vorwurf des Totschlags hatte die Anklage bereits fallengelassen, weil sich der 31-Jährige am Montag vor dem Gericht schuldig bekannt hatte, bei der Tötung von 24 Zivilisten im irakischen Haditha durch seine Einheit im November 2005 seine Dienstpflicht verletzt zu haben. Gegen die sieben anderen wegen des Massakers beschuldigten Soldaten waren die Verfahren in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen eingestellt worden.

US-Magazin brachte das Massaker ans Licht

Vor der Urteilsverkündung äußerte der Soldat vor Gericht sein Bedauern und beteuerte, kein „kaltblütiger Killer“ zu sein. „Ich weiß, dass ich nichts sagen kann, um Ihren Schmerz zu lindern“, sagte er an drei Familienangehörige der Opfer gerichtet. „Ich versichere, dass es an diesem Tag niemals meine Absicht war, Ihnen oder Ihren Familien Leid zuzufügen.“

Am 19. November 2005 war eine Gruppe Marineinfanteristen unter Wuterichs Kommando nach dem Tod eines Kameraden bei einem Anschlag in einem regelrechten Rachefeldzug durch die Stadt Haditha in der Provinz al-Anbar im Nordwesten des Landes gezogen. Rund drei Stunden lang gingen sie von Haus zu Haus und töteten 24 Menschen, darunter zehn Frauen und Kinder.

Die US-Armee hatte anfangs erklärt, die Zivilisten seien durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen. Recherchen des US-Magazins „Time“ brachten das Massaker 2006 ans Licht.

Empörung im Irak

Die irakische Regierung reagierte empört. Die Strafe für das begangene Verbrechen sei „nicht angemessen“, sagte ein Sprecher des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki. „Wir werden mit allen juristischen Mitteln für die Rechte unserer unschuldigen Bürger kämpfen, die Opfer dieser rücksichtslosen Schüsse wurden.“

Chalid Salman, Gemeinderat in Haditha und Opferanwalt, nannte das Urteil einen „Angriff auf die Menschlichkeit“. Bewohner der irakischen Stadt und Angehörige der Opfer zeigten sich schockiert über die US-Militärjustiz. Schon deren bisherige Entscheidungen zum Haditha-Massaker waren in der irakischen Bevölkerung mit Empörung aufgenommen worden.

Im Dezember waren die letzten US-Truppen aus dem Land abgezogen worden. Eine weitere Stationierung war daran gescheitert, dass Bagdad den US-Soldaten nicht länger Schutz vor Strafverfolgung gewähren wollte.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos
Beschreibung anzeigen