Vier Soldaten getötet

Frankreich stoppt Einsätze in Afghanistan

Nach dem Tod von vier französischen Soldaten hat Präsident Nicolas Sarkozy mit dem vorzeitigen Abzug der Truppen aus Afghanistan gedroht. Alle Militäreinsätze wurden bis auf weiteres gestoppt.

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Nach dem Tod von vier französischen Soldaten in Afghanistan hat Frankreich seine Militäreinsätze in dem Land vorerst eingestellt. Ein vorzeitiger Abzug der Truppen aus Afghanistan sei nicht ausgeschlossen, sagte Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag in Paris. Ein afghanischer Soldat hatte die vier französischen Soldaten im Osten des Landes erschossen und mindestens 15 weitere verletzt.

„Ich kann nicht hinnehmen, dass afghanische Soldaten auf französische Soldaten schießen“, sagte Sarkozy. Die Ausbildung afghanischer Soldaten und die Hilfe bei Kampfeinsätzen werde deshalb ausgesetzt. Verteidigungsminister Gérard Longuet soll zusammen mit Generalstabschef Edouard Guillaud „unverzüglich“ nach Afghanistan reisen. Anhand von Longuets Bericht will Sarkozy entscheiden, ob er die französischen 3600 Soldaten vorzeitig abzieht. Eigentlich sollte der Abzug Anfang 2014 abgeschlossen sein.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai, der in einer Woche in Paris erwartet wird, bedauerte den Angriff. In einer Mitteilung sprach er Sarkozy und dem französischen Volk seine „tiefe Sympathie“ und sein Beileid aus. Die extremistischen Taliban lobten in einer Erklärung die „mutigen und patriotischen Soldaten“, welche die ausländischen Truppen angriffen.

Die französischen Soldaten machten nach Angaben aus afghanischen Sicherheitskreisen gerade Sport und waren deshalb unbewaffnet, als ein Mann in afghanischer Uniform das Feuer auf sie eröffnete. Der Angriff ereignete sich im Bezirk Tagab in der Provinz Kapisa. Die Männer seien „eigentlich ermordet worden“, sagte Verteidigungsminister Longuet.

Bereits Ende Dezember waren zwei französische Soldaten ebenfalls im Bezirk Tagab von einem Mann in afghanischer Uniform erschossen worden.

Auch die Bundeswehr war vor knapp einem Jahr Ziel eines ähnlichen Angriffs: Am 18. Februar 2011 starben drei Soldaten, als ein afghanischer Soldat in einem Außenposten in Nordafghanistan das Feuer eröffnete. Der französische Außenminister Alain Juppé forderte die afghanischen Behörden auf, die Rekrutierung von Soldaten genauer zu kontrollieren.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete den Angriff auf die französischen Soldaten als Einzelfall. Er widersprach damit dem Eindruck, dass zunehmend aus der afghanischen Armee heraus Angriffe gegen Soldaten der internationalen Truppe Isaf gestartet würden. Einige Angriffe der vergangenen Monate waren Mitgliedern der radikalislamischen Taliban zugeschrieben worden, die sich von der afghanischen Armee anwerben ließen. Bei anderen wurden Streitigkeiten zwischen Afghanen und ausländischen Soldaten als Grund angegeben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich tief bestürzt über den Angriff auf die Franzosen: „Unsere Trauer und unser Mitgefühl sind in dieser schweren Stunde mit Frankreich und vor allem mit den Angehörigen und Freunden der getöteten Soldaten“, erklärte Westerwelle.

Seit Beginn des internationalen Einsatzes Ende 2001 starben in Afghanistan 82 französische Soldaten. Frankreich begann bereits im Oktober mit dem Rückzug seiner 3600 Soldaten. Deutschland will ab Februar die Zahl seiner Soldaten in Afghanistan von bisher 5350 auf höchstens 4900 Soldaten verringern. Der Bundestag entscheidet darüber am nächsten Donnerstag.