Abrüstung

USA schmelzen letzte Senfgas-Granaten zusammen

Auf einem Militärstützpunkt in der Wüste zerstören die US-Streitkräfte an diesem Wochenende 90 Prozent ihrer Chemiewaffen. Andere Länder sind zurückhaltender.

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Das US-Heer wird 90 Prozent seiner Chemiewaffen zerstört haben, wenn am Wochenende entsprechende Arbeiten auf einem Stützpunkt im US-Staat Utah beendet sind.

Dort war bislang das größte Lager an giftigen Kampfstoffen. Sie hatten sich seit dem Kalten Krieg in dem Depot in der Wüste angesammelt. In einem Spezialofen wurden am Mittwoch bereits bei 815 Grad Celsius die letzten 23 Projektile mit Senfgas unschädlich gemacht.

Auf dem Stützpunkt lagerten einst bis zu 13.600 Tonnen Chemiewaffen. Die verbleibenden zehn Prozent der Waffen werden der US-Regierung zufolge erst bis 2021 zerstört. Sie befinden sich in Arsenalen in Pueblo in Colorado und Richmond in Kentucky.

„Es erfüllt mich mit großer Freude und Zufriedenheit“, sagte der Projektmanager im Lager, Ted Ryba, als die letzten Senfgas-Granaten auf einem Förderband aus dem Ofen kamen. Am Wochenende sollten noch Waffen mit Lewisit zerstört werden, einer Substanz, die Haut, Augen und Lungen schädigen kann.

Abkommen wird nur zögerlich umgesetzt

Die Zerstörung der Kampfmittel ist Bestandteil eines internationalen Abkommens zur weltweiten Vernichtung derartiger Waffen. Gemäß des Abkommens, das eher zögerlich umgesetzt wird, sollte die Abrüstung bereits am 29. April abgeschlossen sein. Es wird jedoch noch Jahre dauern, bis alle Vertragspartner ihre Chemiewaffen-Arsenale zerstört haben.

Nach Angaben der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen in Den Haag in den Niederlanden hat Russland beispielsweise erst 48 Prozent seines umfangreichen Arsenals zerstört. Auch Libyen wird die Frist zur Zerstörung seiner Chemiewaffen nicht einhalten, da der Bürgerkrieg die Arbeiten unterbrach und zudem mehr Waffen als angegeben ans Tageslicht brachte, wie der Direktor der Arbeitsgruppe für Chemiewaffen, Craig Williams, in Berea im US-Staat Kentucky erklärte.

"Ein großer Schritt für die Sicherheit auf der Erde“

Dennoch sieht er das Abkommen insgesamt als Erfolg. „Von 194 Staaten auf dem Planeten haben 188 den Vertrag unterzeichnet. Es ist eine eindrucksvolle Leistung und ein großer Schritt für die Sicherheit auf der Erde“.

Chemiewaffen wurden erstmals im Ersten Weltkrieg zum Einsatz gebracht. Zwischen 1914 und 1918 kamen etwa 90.000 Soldaten durch sie um. Der Einsatz chemischer Kampfstoffe durch das Regime des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein 1988 gegen Kurden im Nordirak gab den Anstoß zur Ausarbeitung des Chemiewaffensperrvertrages 1997.

Soweit bekannt, haben die US-Streitkräfte keine Chemiewaffen im Einsatz verschossen. Allerdings wird die umfangreiche Nutzung des Entlaubungsmittels Agent Orange in Vietnam von manchen als Chemiewaffeneinsatz gewertet, sagte Chemiewaffen-Experte Williams.