Überfall auf Reisegruppe

Westerwelle bestätigt tote Deutsche in Äthiopien

Bei dem Überfall in Äthiopien sind nach Angaben der Regierung fünf Touristen ums Leben gekommen. Darunter sind auch zwei Deutsche. Vier Reisende wurden wohl nach Eritrea verschleppt

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Bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien sind nach Angaben der Regierung in Addis Abeba fünf Touristen getötet worden, darunter zwei Deutsche. Der äthiopische Regierungssprecher Bereket Simon sagte am Mittwoch, zwei weitere Deutsche seien verschleppt worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestätigte die Angaben. „Ich muss Ihnen leider auch mitteilen, dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt ist“, sagte Westerwelle am Mittwochnachmittag in Berlin.

Nach Angaben von Simon wurden neben den beiden Deutschen ein Österreicher und zwei Ungarn erschossen. Ein Italiener und ein Ungar seien verletzt worden. Zudem seien bei dem Vorfall insegsamt vier Menschen entführt worden – neben den beiden Deutschen seien ein äthiopischer Polizist und ein äthiopischer Fahrer unter den Entführten. „Sie wurden wahrscheinlich nach Eritrea verschleppt“, sagte Simon. Die Toten und der Rest der Reisegruppe sollten noch am Mittwoch in die Hauptstadt gebracht werden.

Das Außenministerium in Berlin hatte bereits am Dienstagabend einen Krisenstab eingerichtet, um die Umstände des Angriffs zu klären.

Eigentlich wollten die Touristen in Äthiopien Vulkane und Salzseen besuchen. Dann wurde ihre Reisegruppe brutal angegriffen. Zu der Attacke kam es in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze, einem der heißesten Orte der Erde. Bei den Tätern soll es sich dem äthiopischen Regierungssprecher Bereket Simon zufolge um von der eritreischen Regierung ausgebildete Banditen gehandelt haben. Er bezog sich bei seinen Angaben auf äthiopische Sicherheitskräfte. Eritreische Diplomaten wiesen diese Vorwürfe zurück.

Das Bundeskriminalamt (BKA) schickte mehrere Mitarbeiter in das Land am Horn von Afrika. Sie sollten noch am Morgen in Richtung der Hauptstadt Addis Abeba aufbrechen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“. Zudem sei der Verbindungsbeamte der Behörde in Kenia nach Addis Abeba beordert worden. „Wir unterstützen dort die deutsche Botschaft, wir versuchen dort die Interessen der deutschen Staatsangehörigen wahrzunehmen, Kontakt zu den Behörden aufzubauen.“ Auch zu den Angehörigen in Deutschland sei bereits Kontakt aufgenommen worden.

Wer hinter der Tat stecken könnte, sei noch unklar, sagte Ziercke. „Es gibt Vermutungen, dass es Rebellen sein könnten, aber da wäre ich sehr vorsichtig, das müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.“ Es könne noch einige Tage dauern, bis konkrete Informationen vorliegen.

In dem Gebiet kommt es seit Jahren immer wieder zu Übergriffen auf Touristen. Das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage deshalb auch auf ein erhöhtes Risiko in dem Grenzgebiet hin. Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir hat nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region abgesagt. Betroffene und deren Angehörige würden betreut, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite weiter mit. Unklar blieb, wie viele Urlauber über den Veranstalter nach Äthiopien gereist waren.

Die Region, in der es zahlreiche Vulkane und Salzseen gibt, ist von großer landschaftlicher Schönheit. Deshalb bieten Reiseveranstalter nach wie vor Touren in die Danakil an. Die Region gilt als „Wiege der Menschheit“, seit hier in den 1970er-Jahren Knochen eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt wurden.

Allerdings kommt es in dem Grenzgebiet immer wieder zu Zwischenfällen. Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind sehr gespannt. Eritrea war 1993 unabhängig von Äthiopien geworden. Seither hat Äthiopien keinen Meereszugang mehr. Zwischen 1998 und 2000 kam es zu einem blutigen Grenzkrieg mit mehr als 100.000 Toten.