Eskalierende Proteste

Rumänische Demonstranten werfen mit Brandsätzen

Die Proteste gegen Sparmaßnahmen der rumänischen Regierung eskalieren. Demonstranten warfen Steine und Brandsätze auf Polizisten. Ein Mann stand kurzzeitig in Flammen.

Angesichts von außer Kontrolle geratenen Protesten in Bukarest ist die rumänische Regierung am Sonntagabend zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Ministerpräsident Emil Boc kündigte einen neuen Gesetzesentwurf für Montag an. Mehr als 1000 Demonstranten lieferten sich – wie bereits am Vortag – Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Einige warfen Steine und Brandsätze auf Polizisten. Mindestens 13 Menschen wurden verletzt. Ein Mann stand kurzzeitig in Flammen.

Den vierten Tag in Folge waren hunderte Rumänen aus Protest gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierung auf die Straße gegangen. Sie forderten Neuwahlen und eine Ablösung von Staatspräsident Traian Basescu. In Bukarest sowie in mehreren weiteren Städten unterstrichen sie ihren Ärger über Lohneinschnitte, gekürzte Zulagen, höhere Steuern, Vetternwirtschaft und Korruption.

Der anfangs friedliche Protest schlug erst in Gewalt um, als etwa hundert größtenteils vermummte Demonstranten die Polizei mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Rauchbomben bewarfen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Laut Polizei waren unter den Randalierern zahlreiche Fußball-Hooligans der Hauptstadt-Klubs Steaua Bukarest und Dinamo Bukarest.

Regierungschef – "Steine werfen ist keine Lösung"

Am Samstag war es bei den Protesten in Bukarest ebenfalls zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Die Demonstrationen begannen am Donnerstag, ursprünglich aus Solidarität mit einem Angestellten des Gesundheitswesens, der aus Protest gegen die Gesundheitsreform der Regierung kündigte. Präsident Basescu verwarf die Gesundheitsreform am Freitag, konnte damit die Demonstranten aber nicht besänftigen.

Medienberichten zufolge wurden am Samstag auf dem Universitätsplatz im Zentrum der rumänischen Hauptstadt vier Polizisten und ein Kameramann eines privaten Fernsehsenders von Steinen getroffen, die aufgebrachte Protestierende auf sie warfen.

Regierungschef Boc besuchte am Sonntag einen der verletzten Polizisten am Krankenbett. „Steine werfen ist keine Lösung, wir brauchen einen Dialog“, sagte Boc.