Militärstaatsanwalt Przybyl

Oberst wurde beim Selbstmordversuch abgelenkt

Der polnische Staatsanwalt Mikolaj Przybyl hat sich erstmals zu seinem Selbstmordversuch am Montag geäußert: Demnach habe er schlecht gezielt, weil er abgelenkt wurde.

Operation geglückt: Der polnische Staatsanwalt Mikolaj Przybyl, der sich am Montag in den Kopf geschossen hatte , ist auf dem Wege der Besserung.

Przybyl hatte sich, wie inzwischen bekannt wurde, die Wange durchschossen. „Ich wollte Selbstmord begehen, aber ich habe schlecht gezielt, weil jemand gerade versuchte, den Raum zu betreten“, sagte Przybyl am Dienstag der Nachrichtenagentur PAP.

Przybyl hatte in einer Erklärung vor seiner Verzweiflungstat gesagt, die Militärstaatsanwaltschaft, der er angehört, werde unter Druck gesetzt.

Ermittlungen bei Aufträgen für das polnische Militär, bei denen es zu Korruption in großem Umfang gekommen sei, würden erschwert. Um solche Ermittlungen noch mehr zu behindern, werde angestrebt, die Militärstaatsanwaltschaft in die zivile Staatsanwaltschaft einzugliedern.

Zugleich wird Przybyl als Staatsanwalt vorgeworfen, widerrechtlich, also ohne gerichtliche Verfügung, Mobilfunkdaten zweier Journalisten angefordert zu haben. Die Journalisten hatten – offenbar dank einer undichten Stelle in der Staatsanwaltschaft – über die Ermittlungen zum Absturz des polnischen Regierungsflugzeugs in Smolensk 2010 recherchiert.

Es war Przybyls Aufgabe, herauszufinden, wo in der Behörde die undichte Stelle war. Den Vorwurf der Medien, dabei widerrechtlich vorgegangen zu sein, wies er zurück.

Ein effizienter Staatsanwalt

Generalstaatsanwalt Pawel Seremet ging auf Distanz zu Oberst Przybyl. Dagegen verteidigte der oberste Militärstaatsanwalt Krzysztof Parulski sein Vorgehen in allen Einzelheiten. Es gebe keine Hinweise, dass dieser „Ehrenmann“, zweifache Familienvater und Ehemann privat Schwierigkeiten gehabt habe. Es habe, offenbar wegen seiner Ermittlungen, mehrere Anschläge auf sein Hab und Gut gegeben.

Przybyl war bisher offenbar ein effizienter Staatsanwalt. Er ermittelte bei Verdacht auf Korruption, auch gegen Militärs, sowie in dem wichtigen Fall, als polnische Soldaten im afghanischen Dorf Nangar Khel irrtümlich Zivilisten getötet hatten.

Bis 2002 war er in Posen (Poznan) in der zivilen Staatsanwaltschaft tätig. Dann wechselte er zur Militärstaatsanwaltschaft, die nur bei Straftaten im Umfeld der Armee tätig wird. Die Militärstaatsanwaltschaft ist nach Darstellung der „Gazeta Wyborcza“ gegen politischen Druck oft resistent gewesen.

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